29.07.2010 20:52 |

"Etwas peinlich"

"Ausgebüxte" Boa lag die ganze Zeit in Küche des Besitzers

Die Grazer können aufatmen: Boa Amanda (Bild) ist endlich wieder da - und eigentlich war sie auch gar nie weg. Wie die "Steirerkrone" Donnerstagmittag erfuhr, hatte sich die vermeintlich ausgebüxte Drei-Meter-Schlange die ganze Zeit über in der Wohnung ihres Besitzers in Graz-Liebenau versteckt - unter einem Kasten in der Küche. Bilder der tierischen Bergeaktion in der Infobox!

Die Boa Constrictor namens Amanda galt seit Sonntagabend als verschwunden. Das exotische Tier hatte seinen Halter beim Füttern attackiert ("nur ein Kratzer") und die Scheibe des Terrariums zerbrochen. Der 52-Jährige verließ dennoch bei gekipptem Fenster seine Wohnung. Als er zurückkam, war Amanda verschwunden.

Suchaktion und Angst um Kinder
Die Bewohner der Christophorus-Siedlung in Liebenau waren seither auf der Hut vor der Würgeschlange. Experten hatten davor gewarnt, dass etwa Haustiere oder gar Kleinkinder in ihr Beutschema passen könnten. Der nahe Kindergarten stellte daraufhin auf Indoor-Betrieb um, die Nachbarn waren sauer (siehe auch Nachlese in der Infobox), und die Exekutive beauftragte unter anderem rund 30 Polizeischüler mit einer ungewöhnlichen Suchaktion. Auch ein Helikopter war im Einsatz - die "Schlangenflucht" wirbelte nicht nur medial einiges an Staub auf.

Durch 15-Zentimeter-Spalt gekrochen
Aber: Viel Lärm um nichts! Amanda lag die ganze Zeit in der Wohnung ihres Besitzers unter einem Küchenkasten und verdaute in aller Ruhe ein Kaninchen, das sie vor ihrer vermeintlichen Flucht verspeist hatte. Am Donnerstag wurde sie dann von dem Reptilien-Sachverständigen Werner Stangl (im Bild gerade im "Clinch" mit Amanda) in ihrem Versteck entdeckt. Der Riesenschlange war es trotz vollem Bauch gelungen, sich in einen nur knapp 15 Zentimeter breiten Spalt zwischen Wand und Kasten zu zwängen. "Ich hab zuerst nochmals in der Umgebung des Hauses und danach auch in der Wohnung nach ihr gesucht", so der Schlangenfahnder zur "Steirerkrone". Mit Erfolg - Amanda ist nach einer spektakulären Bergeaktion wohlauf und zurück in ihrem Terrarium.

Besitzer: "Sie hat nie jemandem etwas getan"
Jetzt wird wohl wieder Ruhe in Liebenau einkehren. Diese Ruhe hat vor allem Klaus Löschnig, der Schlangenbesitzer, dem der Wirbel "etwas peinlich" ist, nötig. Er kann die ganze Aufregung noch immer nicht verstehen: "Amanda hat nie jemandem etwas getan. Als sie verschwunden war, hab ich unzählige anonyme Drohanrufe und Droh-SMS bekommen. Dass ich aus Liebenau verschwinden soll, war noch das Harmloseste, was ich zu hören und zu lesen bekam."

Experte: "Ich hätte die Boa bald gefunden"
Zumindest den Vorwurf, dass er in seiner Wohnung genauer hätte nachschauen sollen, kann man dem Besitzer aber wohl nicht ersparen. "Ich hätte die Boa sicher bald gefunden, wenn den Behörden nicht 50 Euro pro Stunde zu viel gewesen wären", meinte etwa der anerkannte Reptilienexperte Klaus Müller. "Stattdessen hat man einen Hubschrauber geholt! Ich hab auch sofort und bei mehreren Interviews gesagt, dass man die Wohnung bis in den letzten Winkel auf den Kopf stellen soll - weil ich genau weiß, wie sich so ein Tier verhält", wundert sich Müller nicht über das Versteck der Boa.

Halter hat die Nase voll: "Wer sie will, kann sie haben"
Für die Polizei ist der Fall Amanda nun abgeschlossen: "Wir schicken eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft und ans Veterinäramt. Ob Herr Löschnig wegen unseres Einsatzes zur Kasse gebeten wird, muss erst das Landespolizeikommando entscheiden", sagte Bezirksinspektor Hans-Jörg Zach von der Polizeiinspektion Liebenau. Der erste Erlagschein ist dem Tierhalter jedenfalls schon ins Haus geflattert: "Für den Feuerwehreinsatz muss ich 700 oder 800 Euro bezahlen." Von Amanda hat er nun die Nase voll: "Ich gebe sie weg, wer sie will, kann sie haben", sagte er. Vorläufig bleibt sie aber bei ihm, das kaputte Terrarium hat er ja schon wieder repariert...

Politische Diskussion ausgelöst
Verschwunden oder nicht - eines ist sicher: Riesenschlange Amanda bzw. ihr Besitzer haben nicht nur in der Steiermark eine politische Diskussion über die private Haltung von Exoten und den realtiv unbeschwerten Ver- und Ankauf der Tiere ausgelöst - mehr dazu in der Infobox.

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