Stallorder-Affäre

Dem Ferrari-Boss reicht es: “Genug mit der Heuchelei!”

Sport
27.07.2010 14:17
Ferraris umstrittener Doppelsieg in Hockenheim erhitzt nach wie vor die Gemüter. Die Italiener verteidigen die Teamorder vehement, Ferrari-Boss Luca di Montezemolo fordert bezüglich des Überholskandals von Hockenheim ein Ende der Heuchelei. Er verteidigt die Taktik seines Rennstalls und meinte am Dienstag: "Solche Dinge sind schon passiert, als ich selbst noch Sportdirektor gewesen bin. Also genug mit der Heuchelei!"

Di Montezemolo legte noch nach und teilte gegen alle Kritiker aus. "Die Polemik interessiert mich nicht", wetterte der Italiener. Er könne sich aber ziemlich gut vorstellen, dass einige es gern gesehen hätten, wenn sich die beiden Ferrari-Fahrer gegenseitig ausgeschaltet hätten. Felipe Massa ließ Fernando Alonso aber ohne Gegenwehr passieren. Der Spanier holte sich so den Sieg vor seinem brasilianischen Teamkollegen.

Die Fahrer sind hingegen geteilter Meinung. Die meisten verurteilen zwar die Anwendung einer verbotenen Stallorder, wissen aber genau, dass letztlich meist nur so ein Vorgehen auch zum Erfolg führt. Wie z.B. Red-Bull-Fahrer Sebastian Vettel, der als Sportsmann die Aktion zwar nicht richtig fand, aber gleichzeitig betonte, dass es immerhin um die WM geht. "Ich hatte ja schon die eine oder andere Situation mit dem Teamkollegen und gehofft, dass sie sich schön ins Auto fahren", schmunzelte Vettel mit Blick auf das im Vergleich zu seinen bisher beinharten Fights mit Mark Webber mit eher stumpfen Waffen geführte Ferrari-Duell zwischen Massa und Alonso.

Ferrari wird sich für das Vorgehen auch noch beim FIA-Council verantworten müssen, dort geht es freilich nur noch um beweisbare Fakten und nicht um Polemik. Vettel hat seine optimale Lösung schon gefunden und wünscht sich eine Zehn-Sekunden-Strafe für die beiden Ferrari-Piloten: "Dann wäre ich Erster."

Button fürchtet Nachahmer
Klare Position zur Stallorder bezieht Weltmeister Jenson Button: "Aus meiner Sicht sind solche Anweisungen in der Formel 1 und in jeder anderen Motorsport-Klasse falsch, auch wenn sie manchmal unvermeidlich sind", wird der Engländer im "Guardian" zitiert. Button fürchtet, dass nun andere Teams nachziehen und sich womöglich schon im zwölften von 19 Saisonrennen auf einen Nummer-1-Piloten festlegen.

"Das ist noch sehr früh in der Saison passiert. Wie früh wird so etwas in der Zukunft passieren?", fragte Button, der sich im Kampf gegen seinen in der WM mit 14 Punkten Vorsprung auf ihn führenden McLaren-Teamkollegen Lewis Hamilton selbst so einer kniffligen Situation ausgesetzt und derzeit in der Verlierer-Position sieht. Gut möglich also, dass alle um die WM kämpfenden Teams - Red Bull Racing inklusive - nun bald entsprechende Entscheidungen fällen und einen Nummer-1-Fahrer benennen.

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