25.07.2010 12:51 |

Pilot getötet

Weiter Rätselraten um Ursache für Helikopter-Absturz

Nach dem Hubschrauber-Absturz im salzburgischen Pinzgau gibt es über die Ursache vorerst nur Spekulationen. Die widrigen Wetterverhältnisse, aber auch menschliches Versagen oder ein technisches Gebrechen kommen infrage. Das Wrack wird in der Kaserne in Saalfelden untersucht.
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15 Grad, strömender Regen und schlechte Sicht: Trotz der widrigen Bedingungen nahmen am Samstag rund ein Dutzend Polizisten, Experten der Flugunfall-Kommission und ein vom Gericht bestellter Unfall-Sachverständiger die Hubschrauber-Absturzstelle am Gabühel (1.530 Meter) in Dienten genau unter die Lupe. Der aus der Schweiz stammende Pilot Matthias Brütsch (44) war dort am Freitag gegen 16.30 Uhr bei einem Transportflug für eine Seilbahn-Baustelle verunglückt. Für den erfahrenen Flieger kam jede Hilfe zu spät. Die Wrackteile waren in einem Umkreis von 100 Metern verstreut. In mühevoller Kleinarbeit versahen die Experten jedes noch so kleine Stück mit einer Nummer und schossen ein Foto.

Jedes einzelne Wrackteil wird untersucht

Sämtliche Hubschrauber-Teile werden in den nächsten Tagen in Labors in Wien und Salzburg genau untersucht. Der Rest des Wracks wird am Montag in die Bundesheer-Kaserne nach Saalfelden gebracht und auseinander genommen. „Es wird sicher einige Zeit dauern, bis die genaue Unglücks-Ursache feststeht. Die Experten arbeiten auf jeden Fall auf Hochtouren“, erklärte Major Christian Voggenberger vom Landeskriminalamt.

Kurz vor dem Absturz war die Sicht schlecht, der Regen verhinderte vorerst den letzten Transportflug an diesem Tag. Doch plötzlich gab es von allen Seiten ein Okay, Pilot Brütsch brach Richtung Gabühel auf.

Weiterer schwerer Schicksalsschlag für Knaus
Für den Pongauer Unternehmer Roy Knaus ist der tödliche Absturz ein weiterer schwerer Schicksalsschlag. Im Jahr 1997 starb sein Vater bei einem Hubschrauber-Unglück. Danach kamen noch zwei weitere Menschen bei Abstürzen ums Leben.

„Matthias war ein sehr besonnener und erfahrener Pilot. Ich habe mit seiner Freundin in der Schweiz gesprochen. Sie ist natürlich auch völlig fertig. Wir hoffen jetzt, dass die Unglücks-Ursache bald geklärt wird“, so Knaus. Sein guter Freund Karl Schnell, FPÖ-Parteichef in Salzburg und ebenfalls Pilot, stand ihm am Samstag bei der Besichtigung der Unglücksstelle bei. „Es ist unvorstellbar. So etwas Schlimmes sollte niemandem passieren.“

Die Staatsanwaltschaft Salzburg ordnete mittlerweile die Obduktion des Verstorbenen an. Man will ausschließen können, dass etwa ein Herzinfarkt zum Absturz geführt hat. Brütsch soll in seiner Heimat in Freienbach im Kanton Schwyz beigesetzt werden.

Zwist mit Austro Control

Roy Knaus' Firma Heli Austria ist derzeit wegen einer rechtlichen Auseinandersetzung um die Rettungshubschrauber-Flotte in den Schlagzeilen. Das Unternehmen hat die Republik auf Schadenersatz geklagt, nachdem die Luftfahrtbehörde Austro Control der Firma die Genehmigung für Rettungsflüge mit Helikoptern an fünf Standorten in Tirol und Salzburg entzogen hatte.

Die Firma ist anscheinend vom Pech verfolgt: 2005 hatte ein Transporthubschrauber der Firma Knaus über einer Seilbahn in Sölden einen Betonbehälter verloren. Dieser stürzte auf eine Kabine, neun Menschen starben. Der Pilot musste sich vor Gericht verantworten. Im Mai 2009 war bei einem Lastentransport im Tiroler Bezirk Imst ein Seil gerissen, wodurch rund eine Tonne Holz auf ein Hausdach fiel. Verletzt wurde niemand.

von Manuela Kappes (Kronen Zeitung) und krone.at

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