07.03.2020 08:50 |

Rentenantrag abgelehnt

Steirer (16) droht nach Arbeitsunfall zu erblinden

Gezeichnet fürs Leben, ja genau das ist Roman Günther, 16, daheim im obersteirischen Ennstal. Schicksalstag war der 18. Dezember 2018, da geschah die Katastrophe: Knallgasexplosion, Gesichtsverletzungen, am rechten Augen fast blind. Zu Schmerzen und endlosen Therapien kommt jetzt noch der juristische Spießrutenlauf. Die AK kämpft um eine Versehrtenrente, die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) bremst...

Was geschah am Unglückstag: Tischler-Lehrling Roman hatte mit einer Flex gearbeitet, die auf einem Gabelstapler abgelegt war, damit nahm das Verhängnis seinen Lauf. Die Batterie des Staplers wurde gerade geladen, dabei trat Knallgas aus, das sich entzündete, es kam zur Explosion. „Die Druckwelle hat ein Loch ins Auge gerissen, massive Blutungen verursacht“, schildert Mutter Simone die bangen Stunden. „Am rechten Auge hat Roman nur noch zehn Prozent Sehkraft.“

Im Strafverfahren gegen den Lehrbetrieb wurde bald klar, dass da grob fahrlässig gehandelt wurde. Weder hatte man Roman auf die potenziellen Gefahren hingewiesen, ihn mit einer Schutzbrille ausgestattet, noch hätte er mit der Flex arbeiten dürfen. Das Verfahren endete allerdings bald mit einer Diversion, ein paar hundert Euro Bußgeld, das war’s auch schon.

Zu Schmerzen, Therapien stellte sich bei der Behandlung zu allem Überdruss heraus, dass Roman durch eine Hornhauterkrankung am nicht verletzten Auge langsam auch dort seine Sehkraft einbüßt. „Unsere Sorge ist, dass er irgendwann gar nix mehr sehen wird.“

Versehrtenrente: Antrag abgelehnt
Und jetzt kommen noch die Mühen der Ebene. Als ob die drohende Blindheit nicht genug wäre, muss die Familie auch noch gegen die AUVA kämpfen. Denn die lehnte einen Antrag auf Versehrtenrente ab. Der Gutachter habe die Augenverletzung als „nicht ausreichend“ qualifiziert, schüttelt die kämpferische Mutter fassungslos den Kopf. „Wir gehen durch die Hölle, jeder putzt sich ab, niemand will verantwortlich sein“, appelliert Simone Günther an die Verantwortlichen.

Jetzt hat die Familie mit der steirischen AK einen starken Partner im Rechtsstreit an der Seite, sie hat Klage gegen die AUVA eingebracht. Experte Alexander Perissutti hofft darauf, dass sich für die Günthers das Blatt doch noch zum Guten wendet. Ihm ist aber auch Anliegen, dass solch schlimme Fälle künftig gar nicht erst passieren.

„Eltern, die glauben, ihre Kinder würden in den Betrieben nicht richtig geschützt, können sich jederzeit bei uns melden. Wir schauen dann, dass die Schutz-Richtlinien eingehalten werden.“

Gerhard Felbinger
Gerhard Felbinger
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