07.03.2020 08:00 |

Ausstellung eröffnet

Steirische Künstler erobern New York

Was ist geblieben von den künstlerischen Befreiungsschlägen des Günter Brus? Dieser Frage gehen vier junge steirische Künstler(-Kollektive) bis Ende Mai im Österreichischen Kulturforum New York nach. In der Ausstellung „Die Freiheit wird eine Episode gewesen sein“ regieren sie auf legendäre Werke des Grazer Kunststars.

Der rote Faden wäre auch so erkennbar gewesen. Evamaria Schaller breitet ihn in der Eröffnungsperformance dennoch demonstrativ über die vielen Halbstöcke des Österreichischen Kulturforum in Manhattan aus - und zwar mit ihrem Mund, den sie schwarz färbt und später mit Taschentüchern vollstopft. Sie schlägt sich, sie entblößt sich. So kurz und prägnant wie intensiv ist die Performance der Grazerin als Reaktion auf Brus.

Werke von Brus als Ausgangsmaterial
Die Fotos seines „Wiener Spaziergangs“ sind die Ausgangsposition für die von Roman Grabner (Bruseum Graz) kuratierte Schau in Kooperation mit dem Universalmuseum Joanneum. Mit seinen frühen Aktionen hat Brus die Freiheit der Kunst radikal eingefordert und wurde damit zum internationalen Starkünstler.

Dennoch scheint die Freiheit nicht in Sicherheit, sondern vielmehr einem blinden Gehorsam gewichen zu sein. Kontrolle, Überwachung, die Verlierer der globalisierten Wohlstandsgesellschaft - damit setzt sich das Grazer Duo studio ASYNCHROME in einer sechs mal acht Meter messenden Wandmalerei auseinander. Da fliegen Drohnen neben Überwachungskameras, da sitzen Menschen in ihren selbsterschaffenen Gefängnissen des Turbokapitalismus. Und hinter dem Kind mit dem Smartphone schuften die Kinder in der Kohlemine.

Offene Körper, plastische Organe und dunkle Flächen kombiniert Josef Wurm in seinen Werken, die ähnlich gequält wirken wie Brus’ Zeichnungen sich windender Körper in der obersten Etage. Im Keller greift das Künstlerduo zweintopf die Themen Kontrolle und Konsum mit einem Kuhtrainer auf, das den Tieren Stromschläge gibt, wenn sie während ihres Geschäfts nicht an der richtigen Stelle stehen. Daneben kuschelt Evamaria Schaller auf Fotos mit einem nackten Huhn.

Sichtbarkeit von steirischen Künstlern erhöhen
Es beginnt und endet mit Brus, die Fläche dazwischen gehört den Jungen. Ein gutes Jahr nach den ersten Gesprächen zwischen Kulturlandesrat Christopher Drexler (ÖVP) und Michael Haider, Leiter des Hauses in New York, steht die beeindruckende Schau - für Drexler ist es der „Beginn einer Freundschaft“, welche die „Sichtbarkeit von steirischen Künstlern“ weiter vergrößern soll. Die jungen, progressiven Positionen können sich jedenfalls mehr als sehen lassen.

Die Reise nach New York erfolgte auf Einladung des Universalmuseum Joanneum.

Hannah Michaeler
Hannah Michaeler
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