19.07.2010 12:01 |

Rede bei "AIDS 2010"

Clinton: "Mit kleinen Spenden große Summen lukrieren"

Der frühere US-Präsident Bill Clinton hat am Montag bei der Plenarsitzung der Internationalen Aids-Konferenz in Wien neue Finanzierungsmodelle im Kampf gegen HIV-Infektionen gefordert. Eine "große Anzahl von Menschen kann mit kleinen Spenden große Summen" lukrieren, lautet Clintons Motto.

Auch seine eigene NGO, die Clinton Health Access Initiative, die sich der Verbesserung der Aids-Bekämpfung in Entwicklungsländern verschrieben hat, und der "Global Fund", die größte Finanzierungsorganisation im Kampf gegen Aids, hätten in den vergangenen Jahren von Spenden profitiert. Von großen Spenden durch Privatpersonen oder durch kleine Beiträge, etwa durch Zuschläge beim Kauf von Flugzeugtickets.

Dieses System gelte es auszuweiten. "Warum schlagen wir nicht 50 Cent auf ein Ticket für eine Sportveranstaltung auf?", nannte der frühere Präsident ein Beispiel. Auch bei der Erdbeben-Katastrophe auf Haiti hätten viele US-Bürger enorm geholfen, indem sie über ihr Handy Organisationen wie dem Roten Kreuz geringe Summe zukommen hätten lassen. "Die Leute sind bereit zu geben, sie müssen aber wissen, wofür das ist."

"Müssen Job schneller und billiger machen"
Ein anderer Weg, den Kampf gegen Aids allen Problemen zum Trotz weiter zu finanzieren, sei eine Überprüfung der eigenen Kosten, sagte Clinton und erinnerte sich an ein Treffen mit Microsoft-Gründer Bill Gates, bei dem die Ausgaben seiner NGO und der "Bill & Melinda Gates Foundation" analysiert haben. Dabei hätten sich Möglichkeiten zur Kostenreduktion gezeigt. "Es ist leicht zu sagen, dass die Regierung mehr Geld geben muss, aber auch wir müssen unseren Job schneller und billiger machen", so Clinton.

Auch in der internationalen Entwicklungspolitik müssten die Transferkosten verringert werden, indem auf mehr Selbstständigkeit der betroffenen Staaten gesetzt wird. "Wir brauchen ein neues Modell für die Entwicklungsländer, zum Beispiel nationale Pläne." In zu vielen Ländern gehe zu viel Geld verloren, durch Lieferkosten, infrastrukturelle Probleme oder einfach zu viele "Meetings". Aber: "Jeder Dollar, den wir verschwenden, stellt ein Leben aufs Spiel."

"Beim Geldausgeben weiser sein"
Er wolle niemanden "anklagen", so der Ex-Präsident, "aber wir müssen diesen Ländern helfen, ihre eigenen Verteilungssysteme zu verbessern. Wir müssen beim Geldausgeben weiser sein". Als positives Beispiel nannte Clinton Südafrika, wo Präsident Jacob Zuma eine "enorme Führungskraft" im Kampf gegen Aids entwickelt habe.

Clinton wehrt sich insbesondere dagegen, dass das Gesundheitswesen weltweit vor allem als Kostenfaktor gesehen werde: "Investitionen in Gesundheit sind gute Investitionen in die Wirtschaft. Wenn jemand ein Atomkraftwerk baut, kennt man erst nach 30 Jahren die Kosten. Aber Investitionen in die Gesundheit geben uns sehr viel an Gewinn zurück. Wenn man von Gesundheitskosten redet und ohne von dem daraus erwachsenden Gewinn spricht, ist das falsch. Wir brauchen gute wirtschaftliche Überlegungen, nicht eine dumme Sicht von Ökonomie."

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