16.02.2020 21:32 |

Evakuierungsmission

Coronavirus-Schiff: 400 US-Bürger von Bord geholt

Tausende Passagiere aus aller Welt sind seit über einer Woche auf dem Kreuzfahrtschiff Princess Diamond im Hafen der japanischen Stadt Yokohama gefangen. Von den 3700 Menschen sind nämlich über 350 mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Allerdings sind nach wie vor nicht alle Gäste entsprechend getestet worden. Für knapp 400 US-Bürger endete nun das bange Warten. Am Sonntag wurden sie von Bord geholt und mit Bussen zum Flughafen in Tokio gebracht (siehe Video oben). Von dort fliegen sie wieder in die USA, wo sie für zwei weitere Wochen unter Quarantäne leben werden.

40 weitere US-Staatsbürger dürfen nicht mitfliegen, denn bei ihnen wurde das Virus nachgewiesen. Sie würden zunächst in Krankenhäusern in Japan behandelt, teilte der Direktor des Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten in den USA dem Fernsehsender CBS mit. Laut dem Verteidigungsministerium in Washington werden die Heimkehrer in zwei gecharterten Flugzeugen auf Militärstützpunkten in Texas und Kalifornien landen.

Sollten Fluggäste auf dem Heimflug entsprechende Symptome aufweisen, würden sie von den anderen isoliert und nach der Landung in spezielle Kliniken gebracht, hieß es weiter. Die Art und Weise, wie die Evakuierungsmission zu Stande kam, sorgte unterdessen für Ärger unter den Reisenden. Denn bis vor Kurzem hatten sie die Information aus Washington erhalten, dass sie nach Auslaufen der Quarantäne an Bord der Diamond Princess auf zivilen Flügen aus Japan wieder die Heimreise antreten dürften. Doch am Samstag fasste die US-Regierung die Entscheidung, dass man die eigenen Staatsbürger doch selbst in Sicherheit bringen möchte.

Ärger bei Reisenden: „Nicht alle wurden getestet“
Hinter vorgehaltener Hand wird spekuliert, dass die US-Behörden mit den Quarantänemaßnahmen der Japaner nicht zufrieden seien. Wegen der Evakuierungsmission befürchten nun die Betroffenen, dass ihre Rückkehr ins normale gesellschaftliche Leben nun wieder etwas weiter in die Ferne rückt. Zudem seien auch noch nicht alle US-Bürger auf die Lungenseuche getestet worden.

Laut dem Nachrichtensender CNN werden die japanischen Ärzteteams vor Ort bis zum 18. Februar benötigen, um alle 3700 Menschen an Bord zu testen. Doch nun würden ungetestete Personen mit getesteten „in ein Flugzeug gepackt und anschließend zwei Wochen unter Quarantäne stellen“. „Was für einen Sinn macht das denn?“, empörte sich ein Kreuzfahrtschiffgast gegenüber dem US-Sender.

Erster Toter in Europa, erste Erkrankung in Afrika
Laut offiziellen Angaben sind in China bereits 1665 Menschen an der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben, etw a 68.500 Menschen gelten als infiziert. Es sei „unmöglich“, den weiteren Verlauf der Epidemie vorherzusagen, betonte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Sonntag. In Europa ist bisher ein Todesfall eines Chinesen in Paris registriert worden, wie die Behörden am Samstag mitteilten.

Taiwan meldete am Sonntag den ersten Coronavirus-Toten. Ein über 60 Jahre alter Mann sei an den Folgen der Infektion gestorben, sagte Gesundheitsminister Chen Shih Chung. Der Mann sei in letzter Zeit nicht ins Ausland gereist und habe Vorerkrankungen gehabt. Zuvor hatte es Todesfälle außerhalb von China neben Frankreich nur in Japan, der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong und auf den Philippinen gegeben.

Inzwischen hat das Virus auch Afrika, genauer gesagt Ägypten erreicht. Dem Gesundheitsministerium zufolge handelt es sich um „einen Ausländer“, der lediglich leichte Symptome aufweist.

Gabor Agardi
Gabor Agardi
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