09.07.2010 09:10 |

Agenten-Deal

Russischer "Tausch-Spion" ist angeblich bereits in Wien

Die Gerüchte über einen amerikanisch-russischen Agententausch in Wien scheinen sich zu bestätigen: Der wegen Hochverrats verurteilte Moskauer Nuklearexperte Igor Sutjagin soll bereits in Wien eingetroffen sein, sagte der russische Menschenrechtler Ernst Tschorny am Donnerstagnachmittag der Nachrichtenagentur Interfax. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es zunächst aber nicht.

Tschorny sagte, man habe Sutjagins Vater per Telefon mitgeteilt, sein Sohn sei bei der Ankunft am Wiener Flughafen gesehen worden. Er sei von einem britischen Offizier empfangen worden, der ihn nach London weiterbringen soll. Laut "Krone"-Informationen wurde der Transport mit einem Privatjet mit unauffälliger Firmenaufschrift unternommen. Die Landung erfolgte am späteren Nachmittag.

Im heimischen Innenministerium hat man davon nichts gehört. Sprecher Rudolf Gollia meinte am Nachmittag: "Wir können das weder bestätigen noch dementieren, weil wir es nicht wissen." Zuvor hatte Gollia den kursierenden Gerüchten eher wenig Glauben schenken wollen. Die "Krone" berichtete bereits in ihrer Donnerstagsausgabe, dass der Austausch in Wien stattfinden soll.

Igor Sutjagin war 2004 zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil er Geheimunterlagen über eine CIA-Tarnfirma in Großbritannien an die USA weitergegeben haben soll. Vor der Moskauer Strafanstalt, in der Sutjagin vermutet wird, war Donnerstag früh ein Großaufgebot an russischen Spezieleinheiten vorgefahren.

Russische Spione werden aus USA ausgewiesen
Am Donnerstag haben sich zehn mutmaßliche russische Spione vor einem US-Bundesgericht in New York für schuldig erklärt. Sie werden nun abgeschoben. Die Agenten würden mit sofortiger Wirkung ausgewiesen und dürften nie wieder versuchen zurückzukehren, sagte ein Richter am Donnerstag in New York.

Russland wird nach Angaben der US-Regierung im Austausch gegen die zehn in den USA festgenommene mutmaßliche russische Spione vier Häftlinge freilassen. Den Angaben zufolge handelt es sich um vier Personen, die wegen Kontakts zu westlichen Geheimdiensten verurteilt worden waren.

Wien: Dorado für die James Bonds der Welt
In den Zeiten des Kalten Krieges - der Blütezeit der Spionage - wurden immer wieder Agenten zwischen der Sowjetunion und dem Westen bei teils spektakulären Aktionen ausgetauscht. Schauplatz war häufig das damals geteilte Berlin, aber auch Wien galt schon immer als Drehscheibe für die Geheimdienste.

Die Gründe: Geopolitisch zentrale Lage, Sitz zahlreicher internationaler Organisationen, gute Infrastruktur, geringes Risiko, niedrige Strafbestimmungen und kurze Verjährungsfristen machen die Alpenrepublik zum Dorado für die James Bonds der Welt. So heißt es auch im Verfassungsschutzbericht: "Österreich ist nach wie vor ein global bedeutender Einsatzraum für fremde Nachrichtendienste. Allein in den Jahren 1991 bis 2009 wurden ca. 250 nachrichtendienstliche Verdachtsfälle bekannt."

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