15.01.2020 15:02 |

Entwicklung im Fußball

Schließt sich die sportliche Schere ein wenig?

Wer vor knapp zwei Wochen in der ersten Runde der Europe League auf „business as usual“ gesetzt hat, der wird sich sicherlich richtig gewundert haben. Zwar sind in den ersten Runden immer einige Dreher drin, wenn man sich einen Ausdruck aus dem Motorsport leihen darf, aber hier war es mehr ein Motorschaden als ein Ausrutscher.

Dass die Fohlenelf aus Gladbach so sang- und klanglos gegen den Wolfsberger AC untergehen würde - und das auch noch zuhause im Borussen-Park - hätten wohl die wenigsten vermutet. Das war österreichischer Fussball, wie man ihn schon seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hat. Kann es sein, dass die sportliche Schere zwischen den benachbarten Bundesligen vielleicht ein wenig kleiner wird, oder war es einfach ein einmalig sportliches Ausrufezeichen, welches das Team aus dem prachtvollen Kärnten in einer schon jetzt legendären Europapokalnacht erlebt hat? Wohin kann sich der Fussball in Österreich noch entwickeln?

Salzburg - und dann lange nichts
Der Fussball in Österreich hat sich in den letzten Jahren gemacht, keine Frage. War die Liga bis vor 10, 12 Jahren noch eine internationale Schießbude, in der sich meist nur wenige junge Talente aber viele abgehalfterte Fussballrentner einfanden, so spielt beispielsweise Salzburg mittlerweile eine richtig gute Rolle international. Natürlich muss man dazu sagen, dass ohne die vielen Millionen des Mutterkonzerns - der Energy-Drink Gigant muss wohl nicht noch extra vorgestellt werden - dies niemals möglich gewesen wäre. Allerdings hat der Verein auch gut gewirtschaftet und ziemlich klug investiert. Allein deswegen schon geht bei den Buchmachern für
Sportwetten kein Weg am Serienmeister vorbei. Ein bekannter Slogan aus der Werbewelt schein hier mehr als angebracht: „So spielt man heute!“.

So dominant der Verein aus der Mozart-Stadt auch ist, so einsam ist es an der Spitze. Denn der Erfolg ist so nachhaltig, dass die vielen anderen Vereine aus der Beletage der österreichischen Bundesliga nicht mehr wirklich in die Nähe einer Überraschung kommen. Zwar hat Linz im Sommer 2019 gezeigt, dass man auch außerhalb von Wien und Salzburg ganz gepflegt gegen den Ball treten kann, aber ernsthaft in die Nähe von Salzburg sollten sie dennoch nicht kommen. Selten hat man also eine Liga gesehen, die so unausgeglichen,
weil eintönig ist. Und dennoch darf man leise hoffen, dass da vielleicht doch bald was zusammenwächst. Denn der Erfolg Salzburgs wirft auch ein gutes Licht auf die ganze Liga, so kommen immer mehr Sponsoren auf die Idee, statt in Deutschland auch hier zu versuchen, Fuß zu fassen.

Nachhaltig zu Erfolg
Zurück zum Wolfsberger AC. Niemand hat es für möglich gehalten, dass man gegen die Heimmacht Gladbach auch nur im Ansatz eine Chance haben würde. Am Ende konnte man mit einem 4:0 zurück nach Kärnten kommen; zum Unverständnis all jener, die vielleicht auf einen anderen Ausgang getippt hat. Ob es auf Dauer reicht, um sich vielleicht als dritte Macht hinter Salzburg und Wien noch vor Graz einzuordnen wird die Zeit zeigen. Allerdings weiß man nun auch endlich beim großen Nachbarn, dass man Österreicher durchaus ernst nehmen sollte. Nicht von Ungefähr konnte
Salzburg vor zwei Jahren bis in das Halbfinale der Europe League vorpreschen. Ähnliche Wege wird man in Wolfsberg wohl nicht erwarten, aber hey: vor 10 Jahren kannte man Salzburg auch noch nicht als regionale Fussballmacht. Zeiten ändern sich, die Schere schließt sich vielleicht endlich, auch wenn es immer noch recht langsam passiert. 

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