08.01.2020 11:52 |

NATO-Abzug aus Irak

Lage eskaliert, aber Trump meint: „Alles ist gut!“

Nach den iranischen Raketenangriffen auf internationale Stützpunkte im Irak twitterte US-Präsident Donald Trump: „Alles ist gut!“ Viele Verbündete innerhalb der NATO sehen das aber offenbar anders und sorgen sich um die Sicherheit ihrer Soldaten, die im Rahmen der Anti-IS-Allianz neben Aufklärungs- auch Ausbildungsaufgaben in der Region übernehmen. Eine Regierung nach der anderen verkündet derzeit den Abzug oder die Verlegung ihrer Truppen.

Nachdem bereits deutsche, kroatische und philippinische Soldaten zumindest einen teilweisen Rückzugsbefehl erhalten hatten, gaben am Mittwoch auch Spanien und Slowenien bekannt, einen Teil der im Irak stationierten Soldaten nach Kuwait zu verlegen. Spaniens stellvertretende Ministerpräsidentin Carmen Calvo teilte mit, dass eine „verringerte Truppe“ im Irak bleiben werde. Sechs slowenische Armeeangehörige werden laut Angaben des slowenischen Verteidigungsministeriums in Kooperation mit den deutschen Partnern ausgeflogen.

Den Soldaten gehe es gut, twitterte das Ministerium am frühen Morgen. Nach einer Detonation in der Nähe des Stützpunktes hätten sie kurz nach Mitternacht einen Schutzraum aufgesucht, hieß es weiter. Die slowenischen Soldaten sind in dem deutschen „Camp Stefan“ nahe dem Flughafen in Erbil stationiert. Auch Kanada will einen Teil der im Irak stationierten Soldaten temporär nach Kuwait verlegen.

Frankreich plant keinen Rückzug
Frankreich hingegen plant nach Informationen aus Regierungskreisen keinen Abzug seiner Truppen aus dem Irak. Derzeit sind rund 160 französische Soldaten in dem Land stationiert. Das österreichische Bundesheer ist im Irak nicht vertreten.

Der Iran hatte als Vergeltung für die Tötung von General Kassem Soleimani in der Nacht auf Mittwoch zwei auch von US-Soldaten genutzte Militärstützpunkte im Irak angegriffen, darunter eine Basis im Raum Erbil. In dem nordirakischen Kurdengebiet sind noch mehr als 100 deutsche Soldaten im Einsatz, die laut Verteidigungsministerium bei den Angriffen unverletzt geblieben sind. Sie sind Teil der internationalen Koalition gegen die Terrormiliz Islamischer Staat.

Teheran: „Terror-Regierung unter Trump“
Bei seinem Angriff setzte der Iran nach Angaben seines Verteidigungsminister Amir Hatami Kurzstreckenraketen ein. Die Antwort auf eine Vergeltung der USA werde dem entsprechen, was die USA unternähmen. Trump habe seine Administration zu einer „Terror-Regierung“ gemacht, so Hatami.

Schiitische Milizen erwarten auch Vergeltungsschlag des Irak
Nach der Reaktion des Iran auf die gezielte Tötung Soleimanis durch die USA muss nach den Worten des irakischen Milizen-Anführers Kais al-Khazali nun auch der Irak antworten. Die Reaktion des Irak werde nicht schwächer ausfallen als die des Iran, erklärte Khazali am Mittwoch. Der Grund: Neben dem iranischen General hatte das US-Militär am vergangenen Freitag auch einen der führenden Kommandanten der irakischen Volksmobilisierungskräfte, Abu Mahdi al-Muhandis, gezielt in Bagdad getötet.

Kurden warnen vor Wiedererstarken der IS-Terroristen
Die Kurden-Führung äußerte große Besorgnis nach den Raketenangriffen in Erbil. Die Kurden dürften nicht in die Auseinandersetzungen mit hineingezogen werden. Dies könnte zu einem Wiedererstarken des IS führen. Tausende Anhänger bzw. Kämpfer der Terrormiliz befinden sich derzeit in kurdischen Gefängnissen.

 krone.at
krone.at
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Ihre Cookies sind deaktiviert. Die Seite wird daher möglicherweise nicht korrekt angezeigt.