28.12.2019 09:00 |

Opfer schildert Masche

Diamanten-Betrüger nahmen Tiroler Erspartes ab

Es war eine bittere Lehre für einen Tiroler Handwerksmeister, der seine Geschichte anonym der „Krone“ erzählte: Als eines von Dutzenden Opfern war er beim Prozess gegen zwei Diamanten-Betrüger am Landesgericht. Das Duo wurde verurteilt, doch dabei wurde klar: Sein Erspartes - 80.000 Euro - ist wohl weg.

1000 Euro sprach das Strafgericht dem fleißigen Handwerker als Schadenersatz zu. „Ist das damit erledigt?“, fragte das Opfer angesichts seiner Schadenssumme von rund 80.000 Euro entsetzt. „Für weitere Ansprüche müssen Sie den Zivilrechtsweg einschlagen“, betonte der Richter. Ein wohl aussichtsloses Unterfangen, denn bei den soeben rechtskräftig Verurteilten (53 und 55 Jahre) dürfte nichts zu holen sein.

Scheinfirma gegründet
Der Handwerksmeister schilderte am Rande des Prozesses, wie gewieft ihm die „Diamanten-Falle“ gestellt worden war. Wie andere Opfer dürften ihn die Täter aus einem Branchenverzeichnis für Selbstständige ausgewählt und angerufen haben. Vorher hatten die Ganoven eine Scheinfirma gegründet, deren einziger Zweck es laut Staatsanwaltschaft war, „Diamanten betrügerisch zu veräußern“. „Alles wirkte sehr seriös. Zuerst kaufte ich zwei Mini-Diamanten für 4000 Euro. Diese haben mir die Täter später für 5000 Euro wieder abgekauft - ein vermeintlich toller Gewinn“, erzählte der Tiroler. Was er nicht ahnte: Der Deal diente nur dazu, dem Opfer „Appetit“ auf weitere Diamantenkäufe zu machen. „Insgesamt waren es dann sieben“, blickte der Handwerker zurück.

Aufschlag bis zu 380 Prozent
Ihm und anderen vertrauensseligen Opfern wurden teils Preisaufschläge bis zu 380 Prozent verrechnet und ein Wert vorgegaukelt, der angeblich an der Diamantenbörse im belgischen Antwerpen zu erzielen sei. „Zumeist handelte es sich aber um Diamanten, für die kein für Privatpersonen zugänglicher Markt besteht und bei denen in keinster Weise mit Renditen zu rechnen ist“, betonte die Staatsanwaltschaft. Raffiniert tricksten die Betrüger auch mit angeblichen Interessenten aus der Schweiz oder dem arabischen Raum. Eine weitere Masche war es, den Kunden die „Chance“ einzuräumen, ihre bereits gekauften Edelsteine gegen einen äußerst wertvollen „blauen Diamanten“ einzutauschen. Dazu kam es dann nie, aber es wurden dafür Gebühren (etwa für Zoll, Transport sowie Auktion) einkassiert.

Betrüger zu Gast daheim
Beim Handwerksmeister saß einer der Betrüger sogar am Familientisch. „Er hat ja gesehen, dass ich mehrere Kinder habe und für mein Geld hart arbeite“, schilderte der Tiroler die Skrupellosigkeit. Er war es übrigens auch, der Anzeige erstattet hatte, nachdem von ihm beauftragte Gutachter den Minderwert der Diamanten offenbarten.

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