Gefangen in einer Schneekugel stiert eine Frau sehnsüchtig in die Außenwelt. Andere sitzen auf der Spitze eines Eisbergs, tief unten ragen Hände aus dem Wasser, um sie aufzufangen. Aber auch sie bieten keinen Ausweg aus dem Gefängnis. Eingesperrt und gleichzeitig geborgen im gläsernen Käfig sind Walter Martin & Paloma Muñoz Figuren, uns Voyeuren hilflos ausgesetzt.
Die kleinen Menschlein inmitten einer surrealen Landschaft eingefroren wie Film-Stills, gefangen in einem ausweglosen Albtraum, an dem jeder teilhaben kann. Das Künstlerpaar Walter Martin (Norfolk) und Paloma Muñoz (Madrid) kreieren gläserne Welten, die so gar nicht an die allseitsbekannten lieblichen Schneekugeln erinnern. Die Landschaften sind eisig, schaurig und karg, und die Protagonisten wirken alles andere als glücklich. Die Szenerie deutet auf die Katastrophe hin, die uns in Zeiten des Klimawandels womöglich naht. Andererseits sind die Snow Globes auch Spiegel unserer gläsernen Gesellschaft. Denn nicht einmal jene, die sich vor der Selbstdarstellung auf Facebook und Instagram noch sträuben, sind sicher vorm voyeuristischen Akt und täglichen Überwachung durch Alexa, Siri und Co..
Wer’s nicht glaubt, kann gerne im begehbaren Glaspalast Platz nehmen und seine Eindrücke auf einer Schreibmaschine zu Papier bringen.
A Mind of Winter, Walter Martin & Paloma Muñoz, Rupertinum, bis 26. April. 2020








Kommentare
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.