11.11.2019 11:30 |

Fünf Umzüge

Fasnachten haben das Oberland 2020 voll im Griff

Der bevorstehende Winter muss sich warm anziehen, er hat eigentlich keine nachhaltige Chance: Fünf Oberländer Fasnachten sagen ihm im Februar den Kampf an. Das Virus grassiert, die Vorbereitungen laufen.

Mit dem heutigen 11.11. startet in vielen Teilen der Schweiz und Deutschlands die Faschingszeit. Aber auch im Tiroler Unterland und im Zillertal zelebriert man den Beginn der närrischen Zeit. So wird beispielsweise heute in Zell am Ziller in einer pompösen Gala das neue Prinzenpaar vorgestellt.

Das Tiroler Oberland hat mit diesem Datum nichts am Hut. Dort ist ja nicht Fasching, sondern Fasnacht. Auf diese Differenzierung bestehen die Fasnachtler, immerhin geht es um uraltes Brauchtum. Nach einer Falschbezeichnung soll schon so mancher einer Kreuzigung oder der lebenslangen Verachtung nur knapp entronnen sein.

Belegt ist nur, dass die Begeisterung zunimmt
Fasnacht also, Fasnacht! Ein Brauchtum, das Jahrhunderte alt ist, wie man sagt. Beweisen kann man‘s freilich nicht, weil klare historische Quellen fehlen. So muss man sich mit Deutungen zufrieden geben, wie etwa die schriftliche Erwähnung im Pfundser Schemenprozess 1775, in dem der Kreishauptmann sinngemäß berichtet, dass „in den Gemeinden Imst, Tarrenz und Nassereith am neunten, 16. und 23. Februar bei hellem Tage mehrere Gattungen vermummter Burschen ungehindert umherzogen“. Auch über den ursprünglichen Sinn der Fasnacht können die Volkskundler nur spekulieren. Den Fasnachtsfans ist das egal. Sie strömen in immer größerer Zahl zu den Umzügen. Vielleicht, weil in einer monetär geprägten Welt die Sehnsucht nach Mystik zunimmt – auch das nur Spekulation.

Fasnachtskalender so dicht wie selten zuvor
Die Freunde der Fasnacht können jedenfalls im kommenden Feber mit der Zunge schnalzen, denn im Tiroler Oberland ist der Fasnachtskalender so dicht besetzt wie selten zuvor. Das Fasnachtsfieber ist längst ausgebrochen, die Vorbereitungen laufen bereits. So auch in Telfs, wo das große Schleicherlaufen am 2. Feber den Reigen eröffnet. Ein Knaller sozusagen, zählt die Telfer Fasnacht doch zu den großen. Nach langen fünf Jahren der Entbehrung wird in der drittgrößten Kommune Tirols spätestens ab dem „Naz-Ausgraben“ am Dreikönigstag der Ausnahmezustand herrschen. Die 15 Gruppen arbeiten bereits an ihren Gruppenlokalen. Auch an den Festwägen wird emsig gesägt und gehämmert, neue Schleicherhüte werden entworfen.

Bereits eine Woche später die nächste große Fasnacht: das Imster Schemenlaufen. Vorausgesetzt, die Vollversammlung am Dreikönigstag beantwortet die legendäre Frage „Gemmar huire in die Fasnacht?“ mit einem dröhnenden „Jaaaaa“. Und weil die Imster alle vier Jahre in d‘ Fasnacht gehen (dazwischen ist Buabefasnacht) und die Telfer als einzige fünf Jahre Pause ertragen müssen, kommt man alle 20 Jahre terminlich zusammen.

Großes Lebenszeichen der kleinen Fasnachten
Auch das Fisser Blochziehen wird vom Volkskundler Hans Gapp als „große Fasnacht“ bezeichnet. Da sind heuer aber die Kleinen dran: Am 2. Feber wird beim Kinderblochziehen von allen 60 Fisser Volks- und Neue Mittelschülern die zwei Tonnen schwere Zirbe durch das Dorf gezogen. Das geschieht zwei Wochen später auch beim (Erwachsenen-)Blochziehen in Fließ. Schlussendlich können am 23. die Flitschelar in Sautens - eine sehr spezielle Figur - bewundert werden.

Hubert Daum, Kronen Zeitung

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