31.10.2019 05:53 |

„Ohne dich besser“

47.000 SMS in 2 Monaten: Freund in Tod getrieben

Er hatte seinen Abschluss an der Uni sprichwörtlich bereits in der Tasche, sollte an diesem Tag sein Abschlusszeugnis entgegennehmen. Doch erhalten sollte es der 22 Jahre US-Amerikaner Alexander Urtula nie, denn kurz vor der Verleihung stürzte sich der Biologie-Student von einem Parkhausdach in die Tiefe. Bis zuletzt war seine Freundin, die 21 Jahre alte Südkoreanerin Inyoung You, an seiner Seite, jedoch nicht, um das Vorhaben des 22-Jährigen zu verhindern. Vielmehr soll sie die treibende Kraft gewesen sein, die den jungen Mann in den Tod trieb.

Der Vorfall hatte sich am 20. Mai des heurigen Jahres im US-Bundesstaat Massachusetts abgespielt, nun erhob die Staatsanwaltschaft Boston Anklage gegen die 21-Jährige, wie US-Medien berichten - und zwar wegen fahrlässiger Tötung. Möglicher Strafrahmen: bis zu fünf Jahre Haft.

Was war passiert? Die Beziehung der beiden war offenbar nicht so rosig, wie es das Foto der beiden vermuten lässt. Vielmehr war sie offenbar von Beleidigungen und Beschimpfungen der 21-Jährigen geprägt, auch gewalttätig sei die zierliche Frau gegenüber ihrem Partner gewesen, wie die zuständige Anwältin bei einer Pressekonferenz erklärte. Die Attacken hätten über die Zeit hinweg laufend zugenommen. Festgehalten wurden die Vorfälle in einem Tagebuch, das der 22-Jährige führte.

Zehntausende Nachrichten in nur zwei Monaten
Weitere Beweise für die Beschimpfungen und Angriffe sollten sich allerdings auch auf den Handys des Paares finden - und zwar in einer unglaublichen Zahl. Wie die Anklage erklärte, habe sich das Paar in den letzten beiden Monaten vor dem Selbstmord des Studenten 75.000 SMS-Nachrichten geschickt - 47.000 davon stammten von der 21-jährigen You. Der Inhalt: „Sie schrieb ihm, die Welt, sie selbst und seine Familie wären ohne ihn besser dran“, so Rollins weiter. Auch habe die junge Frau nicht nur einmal damit gedroht, sich selbst etwas anzutun, der Druck auf den Studenten wuchs dadurch offenbar immens.

„Ausgeklügelte Attacke auf Lebenswillen“
Und dürfte offenbar auch nicht nachgelassen haben, als er am 20. Mai auf das Dach des Parkhauses stieg, gemeinsam mit der 21-Jährigen. Die Anklage geht davon aus, dass die Südkoreanerin ihren Freund jedoch nicht von seinem tödlichen Vorhaben abbringen wollte, sondern ihn eher noch dazu ermutigt habe. „Hier handelt es sich um eine ausgeklügelte Attacke auf den Lebenswillen dieses Mannes durch eine einzelne Person“, ist die Staatsanwaltschaft überzeugt.

Wie die „Bild“ unter Berufung auf die „New York Times“ berichtet, halte sich die junge Frau derzeit jedoch nicht in den USA auf, sondern in Korea. Stelle sie sich nicht selbst, werde ein Auslieferungsantrag gestellt, heißt es.

Ähnlicher Fall im heurigen Jahr vor Gericht
Der Fall erinnert an die 20 Jahre alte Michelle Carter, die Mitte des Jahres im selben US-Bundesstaat vor Gericht gestanden war. Auch sie hatte via SMS so lange auf ihren 18 Jahre alten Freund eingewirkt, bis dieser Selbstmord beging.

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