Nach Salut-Skandal

UEFA: Auf die Türkei kommen harte Sanktionen zu

Der oberste UEFA-Richter stammt aus Österreich: Als Vorsitzender der Disziplinarkommission arbeitet Thomas Partl mit seinem Team ab heute die jüngsten Skandale auf. „Der Fall ist Neuland für uns“, so Partl. Der Türkei drohen jedenfalls harte Sanktionen.

„Krone“: Herr Dr. Partl, was blüht dem türkischen Team, das sich binnen drei Tagen zweimal auf dem Rasen politisch klar positioniert hat?
Thomas Partl: Die Rechtspflegeordnung der UEFA sieht einen Strafrahmen bei politischen, rassistischen oder sonstigen Demonstrationen seitens der Fans vor. Das reicht von einem Teil-Ausschluss bis zu einem gänzlichen Ausschluss der Zuschauer. Eine Demonstration seitens einer Mannschaft hatten wir noch nie auf der Tagesordnung. Dieser Fall Türkei ist somit Neuland für uns. Darüber müssen wir erst beraten.

Die Disziplinar-Kommission der UEFA ist bekannt dafür, bei derartigen Verstößen hart durchzugreifen.
Wir nehmen das sehr ernst, da solche Demonstrationen nicht nur unsportlich, sondern auch verboten sind. Sollten Beweismittel ausständig sein, wird das Thema Türkei am Donnerstag noch nicht behandelt. Da die Dringlichkeit hoch ist, werden wir zügig vorgehen.

Montag sorgten bulgarische Fans mit rassistischen Sprechchören gegen englische Spieler für den nächsten Skandal. Vier sitzen in Haft, ein Geisterspiel droht. Wie viele Probleme verursachen Fans derzeit generell?
Das Verhalten der Fans macht einen großen Teil unserer Arbeit aus. Es gibt keine Sitzung, wo sie nicht Thema sind. Vereine oder auch Verbände reagieren oft zu spät, schauen zu lange zu. Wobei es unter den vielen Fans, die super Stimmung machen, nur eine Minderheit ist, die negativ heraussticht und Probleme macht.

Wie greift die Kommission da am effektivsten ein?
Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Fans Geldstrafen oft egal sind, denn das trifft sie nicht. Bei der EM 2016 hatten wir zu Beginn große Probleme mit Anhängern der Russen und Kroaten. Erst unsere Drohung, beide Teams aus dem Turnier auszuschließen, hat gegriffen. Danach fiel nichts mehr vor.

Wie unangenehm kann Ihre Aufgabe werden?
Wir hatten einzig vor Jahren mit Klubs aus der Türkei Probleme. Fans hielten uns vor, wir wären ungerecht. Das bekamen wir bis zu 50 Mails pro Tag. Kritik halte ich als ehemaliger Berufsrichter aus. Ärgerlich wird es, wenn behauptet wird, wir hätten schlecht gearbeitet.

Christian Reichel, Kronen Zeitung

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