13.10.2019 09:30 |

Zu wenig Plätze

Großes Tauziehen um Krippenplätze im Grazer Umland

Nach Beschwerden über zu wenige Kinderbetreuung-Plätze findet die Gemeinde Hitzendorf eine ungewöhnliche Lösung: Sie fördert Plätze außerhalb der Gemeinde. Auch andere Orte, vor allem in Graz und dem Umland, investieren hohe Summen in den Ausbau der Kinderbetreuung.

Kinder-Gesang und Gitarren-Akkorde schallen aus der Kinderkrippe Attendorf im steirischen Hitzendorf. Drinnen, dort düsen die Kleinsten auf Autos durch die bunt dekorierten Gänge, turnen und köpfeln ins Ballmeer. Kurzum: Es ist ein Paradies für die Kleinsten.

Tanja Riemer leitet die Krippe Attendorf. Mit einem Buben am Arm, inmitten von Bauklötzen und anderem Spielzeug, erzählt sie: „Grundsätzlich sind wir sehr zufrieden. Die Krippe ist wichtig für Hitzendorf.“ Eine Pädagogin und zwei Betreuerinnen kümmern sich um die 14 Kinder. Sie bekommen dort Mittagessen, machen gemeinsame Nickerchen, spielen, singen. Die Eltern können sie entweder um 13, 15 oder 17 Uhr abholen.

Gerade erst neu gebaut - und schon wieder voll
Vor drei Jahren hat die Krippe im umgebauten Gemeindeamt eröffnet - und ist seitdem voll belegt. Kein Wunder, denn es gibt jährlich gut 80 neugeborene Hitzendorfer. Zahlen, von denen etwa obersteirische Gemeinden nur träumen können.

Leicht sei es trotzdem nicht für eine reine „Wohnsitzgemeinde“, wie Bürgermeister Andreas Spari Hitzendorf bezeichnet. Die Kleinkind-Betreuung ist teuer. Eine gesetzliche Pflicht für die Versorgung der unter Fünfjährigen aufzukommen, gibt es nicht. Die jungen Familien aber schreien danach: „Der Druck von den Eltern ist immer größer geworden“, erzählt Spari. Nach Beschwerden folgte ein Sondergemeinderat, der einen unkonventionellen Beschluss fasste.

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Es sind gewaltige Kosten und eine schwierige Situation, vor der wir stehen. Es gibt keine gesetzliche Verpflichtung, die Kinderbetreuung zu finanzieren. Damit tun wir uns schwer. Die aktuelle Lösung ist ein Kompromiss für ein Jahr.

Andreas Spari, Bürgermeister von Hitzendorf (ÖVP), über die finanzielle Belastung der Gemeinden durch Kinderbetreuung

Geld für Kinder in anderen Gemeinden
100.000 Euro nimmt die Gemeinde nun in die Hand, um die Betreuung an Umlandgemeinden wie Söding oder die Stadt Graz auszulagern. 100.000 Euro - so viel kostet der Betrieb der Krippe für ein Jahr. Eine weitere Gruppe ist finanziell nicht drinnen. Das Tagesmütter-Angebot soll als Alternative weiter ausgebaut werden, weil es um einiges günstiger ist.

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Seit einigen Jahren können wir in Graz nun sicherstellen, dass wir allen Kindern, deren Eltern beide berufstätig sind, auch einen Betreuungsplatz anbieten können. Seit 2014 haben wir weit über 1000 Plätze neu geschaffen.

Statement des Grazer Bildungsstadtrats Kurt Hohensinner (ÖVP) zum Ausbau von Kinderkrippen in der Stadt

Problem in Steiermark weit verbreitet
Hitzendorf ist nicht alleine. Raaba, Seiersberg-Pirka, Premstätten, Graz: Sie wachsen, und zwar schnell. Alleine um das Level zu halten, sind oft Millionen-Investitionen nötig.

„Abgewiesen wird bei uns niemand - wenn beide Elternteile arbeiten, bringen wir alle Kinder unter“, heißt es aus dem Büro von Stadtrat Kurt Hohensinner - die Stadt sei sehr bemüht. Auch in Raaba laufen die Bemühungen: „Seit 2015 sind wir um 10 Prozent gewachsen, viele Jungfamilien ziehen hierher“, erzählt Bürgermeister Karl Mayrhold. Zwei Krippen mit insgesamt vier Gruppen gibt es dort - pro Gruppe zahlt die Gemeinde fast 100.000 Euro dazu. 

Hannah Michaeler
Hannah Michaeler
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