18.09.2019 10:54 |

Spannende Forschungen

Gefiederte Handwerker: Intelligente Papageien

An der Vetmed Wien studieren Zoologen die technische Intelligenz von Papageien.

Unser Gehirn verbrennt pro cm3 zwanzigmal die Energie unserer Muskelmasse. Die Entwicklung der Intelligenz forderte also einen hohen Preis, der aber von der Evolution gut investiert war. „Um diese Entwicklung zu verstehen, ist es wichtig, nicht nur nah mit uns verwandte Tierarten zu studieren, sondern auch jene, die selbst komplexe Denkprozesse als Folge eines unabhängigen Entwicklungsprozesses entfalteten“, so Dr. Alice Auersperg vom Messerli-Forschungsinstitut an der Veterinärmedizinischen Universität Wien.

Team untersucht technische Intelligenz der Vögel
Von den Vögeln trennen uns 320 Millionen Jahre Evolution, dennoch zeigt die aktuelle Forschung, dass die Hirnkapazität von Papageien tatsächlich mit jener von höheren Primaten vergleichbar ist. „Eine kognitive Leistung, die oft mit Menschenaffen assoziiert wird, ist es, Werkzeuge zu erfinden, herzustellen und zu benützen“, so Auersperg. Jedoch entdeckte ihre Arbeitsgruppe, dass auch in dem Goffin-Kakadu ein „gefiederter Handwerker“ und wahrer Erfindergeist steckt.

Forschung in Österreich und Indonesien
Das Team untersucht die technische Intelligenz dieser außergewöhnlichen Tiere sowohl an einer Station in Österreich als auch im Freiland, ihrer ursprünglichen Heimat auf den Molukken, einer Inselgruppe in Indonesien. Zudem wird mit Primatologen, Psychologen und Robotikern kooperiert, um Vergleiche mit anderen Arten anzustellen und analytische Methoden zu verbessern.

"Es ist wichtig, nicht nur nah mit uns verwandte Tierarten zu studieren, sondern auch jene, die selbst komplexe Denkprozesse als Folge eines unabhängigen Entwicklungsprozesses entfalteten."
Dr. Alice Auersperg

Fähigkeiten wie bei Menschenaffen
2012 beobachteten die Forscher, wie der inzwischen weltbekannte Kakadu „Figaro“ spontan Stöckchen aus einem Balken zimmerte, um Nüsse in Reichweite zu fischen. Artgenossen, die ihm dabei zusahen, konnten danach ebenfalls Werkzeuge benutzen und diese auch spontan aus verschiedenen Materialien herstellen. Unter anderem bissen sie Streifen aus Kartons heraus, deren Länge auf die Entfernung des Futters angepasst war.

Werkzeuggebrauch ist nicht angeboren
Wenn nötig, konnten sie sogar - obwohl sie noch nie zuvor einen Haken gesehen hatten - denselben aus einem Stück Draht biegen und verwenden. Diese Fähigkeiten sind vergleichbar mit jenen von Menschenaffen und bis zu achtjährigen Kindern. Freilandversuche zeigen, dass der Werkzeuggebrauch der Goffinis nicht angeboren ist, wie etwa bei bestimmten Krähen. Ähnlich wie bei Schimpansen „erfinden“ die Papageien ihn situationsbedingt. Diese Forschungen werden aktuell vom Fonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung (FWF) und dem Wiener Wissenschaft und Technologie Fonds (WWTF) gefördert.

Zur Person
Alice Auersperg, geboren in Landsberg am Lech (D), studierte Zoologie an der Universität Edinburgh (UK), 2011 erlangte sie das Doktorat an der Universität Wien und habilitierte sich 2018 im Fach „Tierische Kognition und Verhalten“ an der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Sie gründete und leitet seit einigen Jahren das Goffin Lab in Goldegg (NÖ). Dieses ist ein Bestandteil des Messerli-Forschungsinstitutes für die Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung.

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