Gegen Mittag wurden die Konkursanträge beim zuständigen Gericht eingebracht, bestätigte AvW-Anwalt Franz Großmann. Zu dem raschen Schritt habe man sich entschlossen, um einen "geordneten Übergang" zu ermöglichen. Gründe für die Konkurse nannte er mehrere: Die allgemeine wirtschaftliche Lage, aber auch eine Reihe von Klagen von Genussscheingläubigern, die Rückstellungen in einem Ausmaß erfordert hätten, das man nicht bewältigt hätte.
Mit 50,7 Millionen überschuldet
Die erste Gläubigerversammlung wurde für 6. Juli vorerst im Geschworenensaal des Landesgerichtes Klagenfurt anberaumt. Forderungen können in beiden Verfahren bis zum 30. Juni 2010 über den ÖVC angemeldet werden. Das Gericht geht von mindestens 12.500 Gläubigern aus. Die Überschuldung haben die beiden Unternehmen in ihren Insolvenz-Anträgen mit zumindest 36,7 (AvW Invest) bzw. 14 Millionen Euro (AvW Gruppe) angegeben.
Akuten Handlungsbedarf sah AvW-Anwalt Großmann, nachdem er über das Wochenende das komplette Kleiner-Gutachten mit rund 800 Seiten durchgeackert hat. Daraufhin wurden Vorstandssitzungen unter Beiziehung von Steuerberatern und Anwälten einberufen.
Kleiner: Anlegertäuschung und Kursmanipulation
Der Steuerberater habe erklärt, es liege eine Überschuldung vor und es gebe keine günstige Fortführungsprognose. Aus Gründen der Vorsicht (Haftung) habe man Insolvenzanträge beschlossen. Immerhin gehe es laut Kleiner-Expertise auch um Vorwürfe der Anlegertäuschung und der Kursmanipulation, so Großmann.
Das sei aber in allfälligen anderen Verfahren zu klären. Aus AvW-Sicht hätten aber auch die massiven Malversationen eines früheren Prokuristen mit zur Insolvenz geführt, so der Anwalt. Auch dazu werde es ein Gutachten des Experten Fritz Kleiner geben. Großmann schloss nicht aus, dass es bei AvW noch ein, zwei weitere Insolvenzen geben könnte, bei kleinen GmbHs.
Anlegerschützer reagiert verärgert
IVA-Anlegerschützer Wilhelm Rasinger reagierte am Dienstag verärgert auf die Bekanntgabe der Konkurse, die viel zu spät kämen: "Man wusste schon seit zwei Jahren von der Schräglage." Dadurch, dass die Dinge nicht schon früher effizient aufgearbeitet worden seien, sei weiterer Anlegerschaden entstanden. "Das ist ein sehr unerfreulicher Skandal", sagte der Präsident des Österreichischen Interessensverbands für Anleger (IVA). Und es sei kein Renommee für die Anlegerschutz-Gesetzgebung in Österreich.
Zahlreiche Klagen von Anlegern
AvW ist wie berichtet mit einer Vielzahl an Anlegerklagen konfrontiert. Seit Herbst 2008 kann AvW Anlegergelder nicht mehr auszahlen. Seit damals werden sogenannte Genussscheine nicht mehr zurückgenommen. Rund 12.000 Anleger fühlen sich geschädigt. In der Causa sind eine Reihe von Verfahren anhängig, alleine am Landesgericht Klagenfurt sind es rund 120.
Akuten Handlungsbedarf sah AvW-Anwalt Großmann, nachdem er über das Wochenende das komplette Kleiner-Gutachten mit rund 800 Seiten durchgeackert hat. Daraufhin wurden Vorstandssitzungen unter Beiziehung von Steuerberatern und Anwälten einberufen.
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