Am Attersee:

Streit um SJ-Billigstpacht hat spannende Wurzeln

Land Oberösterreich und Sozialistische Jugend streiten bekanntlich schon ein Jahr lang um eine Erhöhung der Billigstpacht für das SJ-Europacamp samt Badeplatz in Steinbach am Attersee. Die Causa hat spannende zeitgeschichtliche Wurzeln, wie jetzt ersichtlich wird.

Über den Inhalt des Streits kurz gesagt, müsste die SJ für ihr Europacamp am Attersee statt bisher pauschal nur 10 Euro pro Jahr „marktkonform“ bis zu 277.500 Euro ans Land Oberösterreich abliefern, wie der Landesrechn ungshof in einem kritischen Prüfbericht aufgezeigt hat.

Ein Pachtvertrag bis ins Jahr 2050
Allerdings geht diese Naturalsubvention zur Förderung der Parteijugendarbeit (vor allemzugunsten sozial schwächer aufgestellter Menschen) auf einen Pachtvertrag Land OÖ/SJ aus dem Jahr 1962 (bis ins Jahr 2050 reichend) zurück, was so eine nachträgliche Erhöhung rechtlich gesehen äußerst schwer macht.

Bestandsrecht für die sozialistische Jugend
Geht man aber noch weiter in der Geschichte zurück, wird es spannend: Denn mit Kaufvertrag vom 17. Oktober 1951 haben die damaligen (restituierten) Eigentümer des Hotels Post in Weißenbach eine 16.000 Quadratmeter große Wiese an das Land Oberösterreich, damals mit LH Heinrich Gleißner, ÖVP, an der Spitze, verkauft. Dies unter der Auflage, das Bestandsrecht der Sozialistischen Jugend für 99 Jahre zu übertragen, gegen einen jährlichen Anerkennungszins von 25 Schilling - siehe Ausriss.

Vielleicht mehr im SPÖ-Parteiarchiv
Warum Ludwig Schrenzel und Gertrude v. Webern die SJ so bedenken wollten, müsste man im SPÖ-Parteiarchiv ausgraben können. Vielleicht hat ihnen jemand von der SJ dabei geholfen, das 1938 vom Land Oberösterreich (damals „Oberdonau“ heißend) „arisierte“, also enteignete, Hotel Post im Jahr 1948 wieder zurückzukriegen. Auch ein Vorkaufsrecht hat die SJ auf die Wiese von 1951, die später gegen das heutige Camp-Arealgetauscht wurde.

Mehr über die Eigentümer des „Hotel Post“
Wer mehr über die spannende Geschichte des „Hotel Post“ in Weißenbach wissen möchte und über das Schicksal der Eigentümer nach dem „Anschluss“ und nach dem Krieg, findet ein Kapitel darüber im Buch „Die Villen vom Attersee. Wenn Häuser Geschichten erzählen“ von Marie-Theres Arnbom, Verlag Amalthea.

Werner Pöchinger, Kronen Zeitung

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