31.07.2019 07:00 |

Neues Album & Wien-Gig

Volbeat: Frontalangriff auf die großen Stadien

Nach drei langen Jahren Wartezeit erscheint mit „Rewind, Replay, Rebound“ endlich das langersehnte siebente Studioalbum der dänischen Erfolgsrocker Volbeat. Darauf zeigen sich Michael Poulsen und Co. eingängig, nostalgisch und in gewissen Teilen auch experimentierfreudig. Eine Weiterführung der bisherigen Erfolgstrademarks, die aber auf Kosten der einstigen Härte geht.

Ein leichtes Schmunzeln konnte sich Michael Poulsen nicht verkneifen, als die ersten Rückmeldungen zur ersten Single-Auskoppelung kamen. Als Volbeat Anfang Mai „Parasite“ veröffentlichten, dachten selbst langgediente Fans nur an einen etwas längeren Teaser, doch die 37 Sekunden ergeben tatsächlich den ganzen Song. Der an Danko Jones erinnerte Highspeed-Track ist ein Ausreißer und spiegelt keinesfalls das diese Woche erscheinende Album „Rewind, Replay, Rebound“ wieder, wurde aber wohl gerade aus Marketinggründen bereitwillig zur frühen Veröffentlichung herangezogen. Doch für die immerhin 14 Tracks auf dem siebenten Studioalbum galt einmal mehr, die richtige Mischung aus alt und neu zu finden. Im Falle von Volbeat bedeutet das: die mehr in den Thrash Metal reichenden Wurzeln der frühen Tage nicht ganz zu kappen, aber ebenso keinesfalls auf die poppige Melodielastigkeit der beiden letzten Alben zu verzichten.

Signature-Sound
„Du musst beim Songwriting immer hungrig sein, auch wenn du schon viel geschrieben und eine Familie zuhause hast, die dein Leben entschleunigt“, erzählt Poulsen beim Interview-Roundtable in Kopenhagen. Dorthin hat die dänische Vorzeigeband in die Grapehouse Studios geladen, um das Album schon Monate vor der offiziellen Veröffentlichung hören zu können. Aus der geplanten Interviewrunde wird nichts, Poulsens zweijährige Tochter erkrankte und macht ein physisches Erscheinen des Sängers und Songwriters unmöglich. Dank Skype hält er - bei temporärem Babygeschrei - aber auch aus der Ferne Kontakt zu den Fragestellern. „Wir haben bei Volbeat seit dem ersten Album einen Signature-Sound entwickelt und du hörst eindeutig den Fortschritt im Songwriting. Als Band haben wir uns und auch den Hörern durchaus neue Türen geöffnet.“ Volbeat headlinen mittlerweile große Arenen und respektable Festivals, zur Stadionband fehlt nicht mehr viel und im Gegensatz zum Gros europäischer Rockbands, liegen ihnen aufgrund der Rock’n’Roll- und Rockabilly-Attitüde auch die Amerikaner zu Füßen.

Alte Die-Hard-Fans wissen ohnehin, dass die wilden Zeiten Volbeats längst vorbei sind. Dass eine gewisse Stiladaptierung nötig war, um in den internationalen Billings nach oben zu rutschen, streitet Poulsen erst gar nicht ab. „Über die Jahre ist die Entwicklung unverkennbar, dass die Rocksongs die Metalsongs überlagert haben. Das ist unsere Entwicklung und die ging ganz natürlich vonstatten. Wenn ich einen Song der Manic Street Preachers höre, dann bekomme ich Gänsehaut. Genau das ist mein Ziel mit Volbeat. Ich will, dass die Menschen das auch bei unseren Songs spüren und darauf arbeiten wir hin.“ Hitverdächte Ohrwürmer der seichteren Natur finden sich auf dem neuen Album zuhauf. So beginnt etwa „Last Day Under The Sun“ mit einem einprägsamen AC/DC-Riff und verwandelt sich im Refrain zu einem eingängigen Vokal-Inferno. „Pelvis On Fire“ erinnert mit seiner Elvis-Presley- und Misfits-Attitüde an den Top-Hit „Said Man’s Tongue“, während „Rewind The Exit“ mit seiner balladesken 80er-Verbeugung fast schon zu kitschig ausfällt. „Cloud 9“ ist eine etwas härtere Version eines modernen Bon-Jovi-Songs und die bekannte Single „Leviathan“ wohl endgültig der Eintritt in die Herzen der Formatradios.

Hits sind schwierig
„Einen richtig starken und markanten Rocksong zu schreiben, ist unheimlich schwierig“, erklärt Poulsen, „das fällt mir mit den Metalsongs leichter. Die großen Songs sind in der Produktion meist recht einfach gestrickt, aber daraus etwas Memorables zu erschaffen, bedarf verdammt harter Arbeit. Ins Studio gehen wir nicht, weil wir müssen, sondern weil wir den Fans und vor allem uns selbst immer wieder beweisen wollen, dass wir noch viel draufhaben.“ Inhaltliche Inspirationen sind auf „Rewind, Replay, Rebound“ hauptsächlich auf Nostalgie basierend. So ist das partiell an Iron Maiden gemahnende „When We Were Kids“ eine Rückschau zu den Kindheitstagen, als sich Poulsen unsterblich und unschuldig jeder Herausforderung näherte, „Die To Live“ dreht sich nicht zuletzt um den Perfektionsmusgedanken, der manchmal mehr bremsend als motivierend erscheint.

„Die Geburt meiner Tochter war das mit Abstand wichtigste Ereignis meines Lebens und ich bin ein unheimlich stolzer Vater. Damit habe ich mein Leben reflektiert und dabei blickst du auch in deine eigene Kindheit zurück - in völlig neuem Licht.“ Produziert wurde das Album einmal mehr vom inoffiziellen fünften Bandmitglied Jacob Hansen, ein wichtiger Baustein des unaufhaltsamen Volbeat-Erfolgs. „Ich habe auch sehr viel Arbeit und Gedanken in die ganzen Details des Albums gesteckt. Wenn du es aufmerksam hörst, dann wirst du merken, welchen Wert dieses Album für uns als Band hat.“ Das Werk ist nicht nur das erste mit Bassist Kaspar Boye Larsen, sondern verinnerlicht auch wieder einige Gäste. Etwa auf drei Songs den wundervollen Harlem Gospel Choir, Clutch-Frontmann Neil Fallon auf „Die To Live“ oder Slayer/Exodus-Gitarrist Gary Holtmit einem Solo auf dem bemühten, aber eher mediokren „Cheapside Sloggers“.

Härte kommt später
Dass der Druck nach dem letzten Album „Seal The Deal & Let’s Boogie“ groß sein würde, will Poulsen sich nicht so einfach eingestehen Doch natürlich ist ein Werk, das in gleich sieben Ländern auf Platz eins einstieg, eine Benchmark, an der es sich zu messen gilt. Und die rasanteren, Metal-lastigen Songs haben Volbeat noch nicht ganz gekillt. Die Höhepunkte der „alten“ Volbeat manifestieren sich im Punk-angehauchten Thrasher „Sorry Sack Of Bones“ und dem knallharten „The Everlasting“. „Ursprünglich wollten wir sogar eine EP nur mit Metalsongs veröffentlichen“, verteidigt sich Poulsen auf Nachfrage, warum die Härte gesamt wieder zurückging, „aber die Idee ist vorerst einmal verschoben. Wir haben zumindest drei richtige Old-School-Thrash-Songs geschrieben, hatten aber Angst, dass sie zu weit von der Band weggehen. Es geht beim Komponieren auch um den richtigen Zeitpunkt und das nächste Album könnte durchaus mehrere Songs haben, die die Härte von ,The Everlasting‘ aufweisen.“

Was „Rewind, Replay, Rebound“ an Härte fehlen mag, das holen sich Volbeat zumindest live zurück. Während ihr neues Werk ab diesem Freitag die europäischen Charts erobern wird, befinden sich Poulsen und Co. in Nordamerika mit Slipknot, Gojira und Behemoth auf ausgedehnter Nordamerikatour. Europa folgt auf dem Fuß. Mit Baroness und Danko Jones werden Volbeat am 17. November in der Wiener Stadthalle aufschlagen. Die Show ist bereits ausverkauft.

Robert Fröwein
Robert Fröwein

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