25.07.2019 19:40 |

Drohung aus Moskau

Ukraine beschlagnahmt russischen Tanker

Ukrainische Behörden haben im Hafen von Izmail an der Donau ein russisches Tankschiff festgesetzt. Das Schiff sei an jenem Zwischenfall in der Meerenge von Kertsch beteiligt gewesen, bei dem drei ukrainische Marineboote von Russland beschlagnahmt und deren Besatzungen verhaftet worden waren, so ukrainische Sicherheitskräfte am Donnerstag. Der umgetaufte Tanker sei in die Donauhafenstadt in der Region Odessa, nahe dem Schwarzen Meer eingelaufen und dann sei seine wahre Identität festgestellt worden, hieß es weiter. Die Regierung in Moskau nannte das Vorgehen eine Provokation und drohte mit Gegenmaßnahmen. Wenig später wurde die Tanker-Besatzung freigelassen. Das Schiff selbst bleibt aber weiterhin unter Verschluss.

„Sollten Russen als Geiseln gehalten werden, würde dies als schwerste Verletzung internationalen Rechts erachtet, und mit zügigen Konsequenzen würde zu rechnen sein“, tönte es aus dem Außenministerium in Moskau. Die Agentur Interfax berichtete weiter, der einflussreiche Abgeordnete Wladimir Dschabarow habe die Festsetzung des Tankers als „absolut illegal“ bezeichnet.

Im vergangenen November war der seit Jahren schwelende Konflikt in der Straße von Kertsch eskaliert. Die Meerenge zwischen der von Russland annektierten Halbinsel Krim und Südrussland verbindet das Schwarze und das Asowsche Meer. In dieses Gewässer verwehrte Russland mit Hilfe eines Frachtschiffs drei ukrainischen Marinebooten die Einfahrt. Russische Grenzschutzboote beschossen die ukrainischen Schiffe und verletzten dabei mehrere Matrosen. Dann beschlagnahmten sie die Boote und brachten sie mit ihren Besatzungen in die Hafenstadt Kertsch. Die Seeleute befinden sich seitdem im russischen Gewahrsam.

Vor zwei Wochen hatte sich eine leichte Annäherung der seit der Krim-Annexion und dem Krieg in der Ost-Ukraine verfeindeten Regierungen in Kiew und Moskau angedeutet. Erstmals telefonierten der neue ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und Russlands Präsident Wladimir Putin miteinander.

Will abgewählter Präsident Normalisierung der Beziehungen torpedieren?
Eine Woche später schlug Selenskyj Russland einen Gefangenenaustausch vor. Die russische Menschenrechtskommissarin Tatjana Moskalkowa wies das Angebot jedoch mit der Begründung zurück, dass der betroffene russische Gefangene, der Journalist Kirilo Wyschinski, einen Austausch ablehne. Der Vorfall am Donnerstag werde den Austausch erschweren, so Dschabarow. Er vermutete dahinter „bestimmte Kreise“ in den Behörden des abgewählten ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko. Dies ziele wohl darauf ab, die sich abzeichnende Normalisierung der Beziehungen unter Selenskyj zu untergraben.

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