Ex-Radprofi im Visier

Erste Anklage nach dem Anti-Doping-Gesetz

Sport
22.04.2010 13:47
Ein ehemaliger Radprofi aus Kärnten ist der erste heimische Sportler, der wegen Verstoßes gegen das Anti-Doping-Gesetz vor Gericht gestellt wird. Die Staatsanwaltschaft Wien wirft ihm in einem Strafantrag vor, ab Mitte 2008 verbotene Präparate - darunter auch EPO - an mehrere Sportlerkollegen weitergegeben und damit in Verkehr gesetzt zu haben.

Der mittlerweile 33-Jährige, ein während seiner aktiven Laufbahn auf nationaler Ebene mäßig erfolgreicher Radprofi, war vor einem Jahr als "Dopingsünder" aufgeflogen. Vor der "Soko Doping" gab er schließlich zu, seit 2004 von einer Wiener Apotheke regelmäßig EPO, Testosteron und andere Substanzen zu Dopingzwecken bezogen zu haben.

Zweieinhalb Jahre lang soll er von dem befreundeten Apotheker wöchentlich nach telefonischer Voranmeldung die benötigten Mittel übergeben bekommen haben, ehe ihn dieser Ende 2006 an eine andere, ebenfalls in Wien ansässige Apotheke weiterverwiesen haben soll, weil ihm selbst die Sache offenbar zu brenzlig wurde.

Höchststrafe sechs Monate Haft
Von seiner neuen Bezugsquelle sollen ab 2007 mindestens fünf Sportler-Kollegen des Radprofis profitiert haben. Zu Angaben über deren Identität war die Staatsanwaltschaft nicht bereit. Da der Oberösterreicher den Betroffenen auch nach Inkrafttreten des Anti-Doping-Gesetzes im August 2008 verbotene Präparate gegeben haben soll, muss er sich nun vor einem Wiener Bezirksgericht verantworten. Im Fall eines Schuldspruchs drohen bis zu sechs Monate Haft oder eine Geldstrafe von bis zu 360 Tagessätzen.

Bereits am Donnerstag ist übrigens im Wiener Straflandesgericht der Prozess gegen jenen Wiener Apotheker eröffnet worden, der den ehemaligen Radprofi von 2004 bis Ende 2006 mit EPO und Testosteron versorgt haben soll.

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