23.06.2019 07:00 |

Eine kleine Trendwende

Es wollen wieder mehr Steirer Priester werden

Heute werden in Seckau (der Grazer Dom wird derzeit renoviert) zwei junge Männer zu Priestern geweiht: Der eine ist ein gebürtiger Rumäne namens Ioan Liviu Bîlc, der andere kommt aus Vietnam und heißt Anton Luu Thai Hong. Dass die beiden „Beutesteirer“ sind, also hier bleiben werden, und gestern im Wiener Stephansdom mit Niklas Müller auch ein „waschechter“ Steirer zum Priester geweiht wurde, ändert leider nichts an der Tatsache, dass es hierzulande einen Priestermangel gibt. Aber die jüngsten Entwicklungen machen Hoffnung.

In den vergangenen Jahren konnte man die Priesterweihen in der Diözese Graz-Seckau zumeist an einer Hand abzählen, 2017 gab es überhaupt keine einzige. Auch an den Eintritten ins Priesterseminar wird das Nachwuchsproblem der Kirche deutlich: „Ein bis zwei pro Jahr“ habe man zuletzt gehabt, sagt der Regens Thorsten Schreiber, „es gab aber auch Jahre, wo gar keiner gekommen ist“.

1950 wurden 26 Priester geweiht
Das war nicht immer so. Es gab Zeiten, da konnte sich die Kirche vor lauter Bewerbern kaum erwehren. In den 1950ern war die Zahl der Priesterweihen fast jedes Jahr zweistellig, anno 1950 gab es sage und schreibe 26. Die Jugend von heute will am liebsten „Influencer“ (das sind die Stars im Internet), Fußball-Profi, Manager oder weiß der Teufel, was werden - Priester steht jedoch nicht auf der Liste der Traumberufe.

Die Ursachen dafür sind mannigfaltig: die Säkularisierung der Gesellschaft, dass Religion insgesamt und daher auch der Pfarrer heute nicht mehr den Status haben, den sie früher einmal hatten, der Zölibat und wohl auch Skandale, die dem Image der Kirche Schaden zugefügt haben, um nur einige zu nennen.

Sie wollen es mit Leib und Seele
Regens Schreiber kann dieser Entwicklung aber auch etwas Gutes abgewinnen: Es mögen wenige sein, aber diejenigen, die das Priesteramt anstreben, würden es mit Leib und Seele wollen. Er betont, dass trotz aller Personalnot nicht jeder x-Beliebige genommen wird: „Wir schauen uns die Kandidaten genau an. Von drei wird nur einer genommen. Die Aufnahmekriterien sind heute deutlich strenger.“ So wird zum Beispiel ein psychologisches Gutachten erstellt, um auch professionell zu prüfen, ob jemand geeignet ist oder nicht.

Außerdem sei derzeit so etwas wie eine Wandlung spürbar. Es gebe wieder mehr Leute, die sich für diesen Beruf, oder, besser gesagt, diese Berufung, interessieren: „Wir haben vermehrt Anfragen“, so Schreiber. Viele junge Menschen seien durchaus dafür offen, Priester zu werden, stellt er fest. Nachsatz: „Sie müssten viel öfter darauf angesprochen werden.“ Dass es, wie die katholische Nachrichtenagentur Kathpress meldet, heuer österreichweit mehr Neupriester gibt als in den Jahren davor, nämlich 27, passt ins Bild.

Interessierte können „schnuppern“
Es kommen wieder mehr nach. 19 Seminaristen gibt es derzeit im Grazer Priesterseminar: zwölf Steirer und fünf Kärntner, zwei kommen aus dem Ausland. Und drei Neueintritte im Herbst seien bereits fix, sagt Schreiber. Einer von ihnen ist Christoph Schranz. Der 19-Jährige hat in den vergangenen Wochen ins Priesterseminar „hineingeschnuppert“ - um herauszufinden, ob das Leben als Geistlicher auch wirklich etwas für ihn ist. „Für Interessenten besteht diese Möglichkeit“, sagt der Regens.

Der Weg zu Gott ist kein Spaziergang
Als angehender Priester absolviert man das erste Ausbildungsjahr, das so genannte Propädeutikum, in Linz und studiert danach in Graz katholische Theologie (die Mindestzeit beträgt fünf Jahre). Doch man muss keineswegs nur bibelfest sein. Schreiber: „Soziale und kommunikative Kompetenz ist ganz wichtig.“ Viele gehen eine Zeit lang ins Ausland, sei es zum Studieren oder als Missionar. Nach dem Studium muss man ein Pastoralpraktikum in mehreren Pfarren machen, das ebenfalls ein Jahr dauert.

Bei der Predigt soll niemand einnicken
„Und natürlich ist es von Vorteil, wenn man auch rhetorisch begabt ist“, fügt der „Direktor“ des Priesterseminars hinzu - damit bei der sonntäglichen Predigt niemand einnickt. Oder wie Schreiber es formuliert: die Gemeinde ihr „mit wachem Geist“ folgt. Zunächst wird man Diakon und dann, „nach mindestens sechs Monaten“, zum Priester geweiht. Ein Spaziergang ist das sicher nicht, aber Gottes Hilfe ist einem gewiss...

Ernst Grabenwarter
Ernst Grabenwarter

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