So, 16. Juni 2019
04.06.2019 14:00

„Sofort ausweisen!“

Wut auf Island über russischen Offroad-Influencer

Island wird vor allem im Sommer von Touristen überrannt, was bei den Einheimischen nicht immer für Verzückung sorgt - schon gar nicht, wenn sich die Urlauber nicht an Regeln halten und abseits von markierten Straßen unterwegs sind. Den Zorn so manchen Isländers zieht sich seit dem vergangenen Wochenende ein selbst ernannter Filmemacher und Fotograf aus Russland zu, der mit seinem Wagen in einem geschützten Geothermalgebiet stecken geblieben war - und auch danach alles andere als Einsicht zeigte.

Influencer Alexander Tikhomirov wollte im Gebiet um Myvatn ein wenig offroad unterwegs sein. Wenig überraschend blieb er mit seinem Wagen im weichen Untergrund stecken - er kam weder vor noch zurück. Also musste er von Einsatzkräften aus der misslichen Lage befreit werden. Zudem setzte es eine saftige Strafe: 450.000 Isländische Kronen, umgerechnet rund 3240 Euro. Doch das schreckte den Russen nicht ab. Nur kurz nach dem Vorfall war er mit seinem Fahrzeug erneut abseits der Straßen unterwegs. Videos zeigen ihn Berichten zufolge am Dach seines Wagens an einem See im selben Gebiet.

„Er lacht nur darüber, wie man auf Instagram sehen kann“
Für viele Isländer war die Strafe selbst nach dem ersten Vorfall bei Weitem nicht hoch genug: „So eine Geldstrafe muss wirklich, wirklich weh tun, sonst lacht er ja nur drüber, wie man auch an seinem Instagram-Posting sehen kann“, schrieb eine Userin auf Facebook. Offroad-Touristen sollte ein Riegel vorgeschoben werden, finden zahlreiche weitere Nutzer: „Touristen außer in Bussen verbieten! Sie sollten nicht allein herumlaufen dürfen.“ Manche fordern sogar die sofortige Ausweisung sowie ein Einreiseverbot für den Russen und Menschen, die Ähnliches tun: „Diese Art von Menschen sollten auf einer Liste stehen und Island niemals wieder betreten dürfen.“

Tikhomirov hatte sein „Missgeschick“ auf Instagram gepostet und von der „ordentlichen Summe“ erzählt, die er habe ablegen müssen. Einsicht allerdings Fehlanzeige - was ebenfalls viele wütende Kommentare zur Folge hatte. „Bist du dumm?“, fragte ein User ihn, während ein anderer kommentierte: „Das ist jetzt aber nichts, worauf man stolz sein kann.“ Auch eine Reaktion des Influencers, wonach auch schlechte Publicity Publicity sei, sorgte für Empörung.

„Wegen solcher Schweine haben wir so einen schlechten Ruf“
„Wann werden es diese idiotischen Touristen endlich lernen?“, fragte sich eine Userin. „Zeigt den Orten, die ihr besucht, etwas mehr Respekt!“ In diese Kerbe schlugen weitere Instagram-Nutzer: „Verdammter Idiot! Dich sollte man von der Insel werfen. 450.000 ISK sind nicht genug!“ Ein russischer Landsmann meinte: „Wegen solcher Schweine wie dir haben wir einen so schlechten Ruf in der Welt.“

Offizielle Botschafts-Botschaft für russische Touristen
Sogar die russische Botschaft in Reykjavik fühlte sich genötigt, eine Nachricht für russische Touristen zu verfassen: „Liebe Russen! Bitte beachten Sie, dass bei dem Besuch von Island oder einem anderen Staat die Gesetze, Regeln und Bräuche des Gastlandes respektiert werden müssen“, heißt es in einem Beitrag auf Facebook - dazu ein Link zu einem Nachrichtenartikel über den Schaden, den Tikhomirov mit seiner Fahrt angerichtet hatte.

Ökosystem der Insel ist sehr fragil
Das Fahren abseits der markierten Straßen ist auf Island illegal. Nicht nur, dass es massive Schäden anrichten kann - das Ökosystem auf der Insel aufgrund der kurzen Vegetationszeit sehr fragil -, müssen die Kosten sowie die Arbeitskraft für die Beseitigung ausnahmslos von den ortsansässigen Einheimischen getragen werden. Zudem durchfuhr der Russe laut einer Insiderin Jahrhunderte altes Sedimentgestein. Das sei nun alles kaputt.

Heike Reinthaller-Rindler
Heike Reinthaller-Rindler

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