15.05.2019 09:30 |

Kritik an Gastronomie

Steirischer Koch klagt an: „Man wird ausgenützt“

Gleich vorweg: Die steirische Gastronomie wird (auch international) höchst geschätzt, Gastfreundschaft und Top-Qualität zeichnen unsere Betriebe aus. Doch es gibt leider auch einige wenige schwarze Schafe in der Branche. Sie musste der Steirer Robert P. kennenlernen. 30 Jahre lang arbeitete er in Restaurants, nun aber kehrt der Küchenchef der Gastronomie den Rücken.

Den Tiefpunkt hat Robert P. wohl Anfang des Jahres erlebt. Nach einem Arbeitsunfall kam er ins Krankenhaus, musste genäht werden und wurde in den Krankenstand geschickt. Drei Tage später folgte die Kündigung. Bei einem Versuch, den Leiter des Restaurants zur Rede zu stellen, wurde er beschimpft und vor die Tür gesetzt. Der Arbeitgeber weigerte sich danach, das noch ausständige Gehalt zu bezahlen. Mit Hilfe der Arbeiterkammer wurde das Geld mittlerweile überwiesen, Trost ist das aber nur wenig.

Bänderiss nach Arbeitsunfall
Der Steirer wurde Anfang des Jahres krankgemeldet, bislang ist er arbeitsunfähig und wird es auch noch eine Weile bleiben. Laut seiner Aussage habe ein Kollege den Boden der Küche gewischt und vergessen, ein Hinweisschild aufzustellen. Mit schweren Kisten in den Händen rutschte er trotz Sicherheitsschuhen aus, die Ware fiel auf seine linke Hand, es kam zu einem Bänderriss. „Es wird laut Arzt definitiv etwas zurückbleiben. Das heißt, meinen Beruf auszuüben, wird in Zukunft noch schwieriger sein.“

Nach 30 Jahren genug
In seiner 30-jährigen Laufbahn als Küchenmeister war das wohl der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Es reicht ihm: „Über die Jahrzehnte habe ich viel gesehen“, sagt Robert P. Es geht dabei um Mobbing und Ungerechtigkeiten bis hin zu hygienischen Problemen in einzelnen Gasthäusern. So konnte Robert P. etwa beobachten, wie Lebensmittel, die bereits beim Gast waren und zurückgingen, wieder verarbeitet wurden.

Zwar wäre in dieser Zeit nicht alles schlecht gewesen, aber „leider Gottes ist das Negative hängengeblieben“. Nach seiner Genesung möchte er die Gastronomie verlassen, einen anderen Weg einschlagen. Lange genug habe er versucht, in diesem Bereich Fuß zu fassen, in zahlreichen Hotels und Restaurants gearbeitet. „Man wird oft nur ausgenutzt, ich sehe keine Zukunft.“

Viele Beschwerden
Laut der steirischen Arbeiterkammer steht das Gastgewerbe seit Jahren an der Spitze der arbeitsrechtlichen Interventionen. Michaela Demmel-Fromm von der AK empfiehlt: „Grundsätzlich sollte man diese Dinge ansprechen. Es geht darum, dass der Arbeitgeber einmal von den Vorgängen informiert wird.“ Wichtig dabei ist, dass Beweise, Zeugen und Vorfälle gut dokumentiert seien; bei gröberen Konflikten könne man sich auch direkt an die AK wenden und sich beraten lassen. „Da geht es darum, wie muss ich mich verhalten, welche Strategien habe ich zur Verfügung? Handlungsanleitungen sollen sichtbar werden.“

Teilzeitanstellung oft ein Hindernis
Klaus Friedl von der WKO Steiermark ist Gastronomie-Obmann und sieht die Gründe für diese Probleme oft im Beschäftigungsverhältnis: „Im Vergleich zu anderen Branchen weist das Gastgewerbe überproportional viele teilzeit- und geringfügig Beschäftigte auf. Das ist eine große Herausforderung.“ Es sei zudem immer leichter, eine Beschwerde gegen den ehemaligen Arbeitgeber zu führen als gegen den aktuellen. Laut Friedl tut die Branche aber auch sehr viel, um attraktiver zu werden. Viele Betriebe legen großen Wert auf Mitarbeiterbindung. „Freie Mahlzeiten oder Unterkunft sind Standard“, sagt er. „Teamausflüge oder Mitarbeiterfeste stehen auch am Programm.“

Zahlreiche Stress-Situationen
Die Gastronomie sei trotzdem eine Branche, in der es häufig zu Stresssituation komme. Auch Friedl spricht sich deshalb für das rasche Ansprechen von Problemen aus. „Man sollte Vorgesetzte rechtzeitig aufklären, bevor das Problem dann gar nicht mehr gelöst werden kann.“

Robert P. ist damit nicht mehr geholfen. Auf ihn wartet noch eine Reha, die mehrere Wochen dauern dürfte. Danach sucht er sich einen neuen Job. Der Gastronomie möchte er den Rücken kehren, sich anderweitig umschauen. Sein Ziel ist es, mit seiner Kritik für Verbesserungen zu sorgen. Denn es kann nicht sein, dass einige wenige schwarze Schafe die wunderbare steirische Gastronomie in Misskredit bringen!

Marco Steurer
Marco Steurer
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