Fr, 24. Mai 2019
12.05.2019 07:00

Kunst-Rettung

Als Altausseer Bergleute dem Wahn die Stirn boten

Anfang Mai 1945, kurz bevor uns die Alliierten vom Nazi-Terror befreiten, vollbrachten ein paar wackere Altausseer ein Husarenstück: In einer nächtlichen Aktion retteten sie Tausende Kunstwerke, die Hitler im Salzbergwerk gebunkert hatte, vor der Sprengung durch einen wahnsinnigen Gauleiter. Jetzt wurde am Ort der Heldentat eine faszinierende Ausstellung zum Thema eröffnet.

Es sind nur 700 Meter in den Berg hinein, aber im Gänsemarsch durch den engen Stollen, immer einen Fuß vor den anderen setzend, kann man das Gefühl für Entfernungen ganz leicht verlieren. Drinnen, umgeben von prachtvoll marmoriertem Salz-Gestein, spielt auch das verrückte Maiwetter keine Rolle mehr. Im Sommer wie im Winter hat es sieben Grad und 75 Prozent Luftfeuchtigkeit.

Das war vor 76 Jahren ganz genau gleich. Damals, im Kriegsjahr 1943, stellten Kunstexperten aus Wien im stillgelegten „Springerwerk“ ideale Lagerbedingungen für jene Kunstgüter fest, die sie vor den immer näher rückenden Luftangriffen in Sicherheit bringen wollten. Tausende Kunstwerke aus Klöstern, Kirchen und Museen, dazu alte Handschriften, Waffen, Möbel oder auch Originalnoten von Bruckner, Mozart und Schubert wurden in das Salzkammergut geschafft.

Das ideale Klima für Hitlers (Raub-)Kunst
Vieles davon war Raubkunst der Nationalsozialisten; einen Teil der Schätze - darunter Vermeer, Michelangelo, Bruegel oder Tintoretto - wollte Hitler später im geplanten „Führermuseum“ in Linz ausstellen.

Aber dazu kam es nicht mehr. Als sich die Niederlage Deutschlands im Zweiten Weltkrieg abzeichnete, wollten fanatische Nazis den unermesslichen Schatz im Berg vernichten. Die Vereitlung ihres Plans ist eine der schönsten Episoden der steirischen Geschichte (lesen Sie dazu mehr auf der nächsten Seite).

Neue Schau mit viel Prominenz eröffnet
An diese legendären Tage erinnert seit Freitag tief im Berg die neue Dauerausstellung „Das Glück der Kunst“. Da das alte „Springerwerk“ durch den Druck des Gesteins langsam zusammenzubrechen drohte, wurde 2018 beschlossen, die historische Stätte vor dem Verfall zu retten und eine „Schaustelle“ einzurichten.

400.000 Euro wurden dafür investiert; knapp 90.000 Euro schossen Land, Bund und EU zu. Kuratorin Michaela Fuchs hat im stilechten Bretterverschlag auf 270 Quadratmetern eine übersichtliche Schau gestaltet - mit großzügigen Reproduktionen einiger Kunstschätze, die hier einst Stollenluft atmeten. Dazu wird die faszinierende Geschichte der Bergung packend erzählt.

Kurt Thomanek, technischer Vorstand der Salinen, führte durch die stimmungsvolle Eröffnungsfeier in der Barbarakapelle, die gleich neben den Schauräumen liegt. Nicht nur Salinen-Boss Hannes Androsch, auch die Belegschaft und die hohe Politik waren zugegen.

Restitution bereitet bis heute Kopfzerbrechen
Besonders spannend fiel der Bericht der Provenienzforscherin Monika Löscher vom Kunsthistorischen Museum in Wien aus, die als wissenschaftliche Beraterin an der neuen Ausstellung mitgewirkt hat. Sie ist immer noch auf der Suche nach den Nachfahren vieler Eigentümer, denen die Kunstwerke einst von den Nazis geraubt oder um einen Spottpreis abgepresst worden sind.

Wie schwierig sich diese Suche mitunter gestaltet, erklärte Löscher der „Krone“ am Beispiel des Gemäldes „Büßende Magdalena“ von Nicolas Régnier: „Wir wissen mittlerweile, dass es 1938 einem jüdischen Rechtsanwalt in Wien gehört hat. Nur hilft uns das nicht weiter, denn damals gab es in Wien noch 1000 jüdische Rechtsanwälte.“

Matthias Wagner
Matthias Wagner

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