Do, 23. Mai 2019
11.05.2019 09:00

Kickl kam nicht

Innsbrucks BM Willi putzt gegen 1,50-Euro-Jobs

Innenminister Herbert Kickl will Asylwerbern für gemeinnützige Arbeit nicht mehr als 1,50 Euro pro Stunde zahlen. „Unmenschlich“, sagen viele in Tirol. Das sagt auch Innsbrucks BM Georg Willi. Er hat Kickl zu einem 1,50 €-Job eingeladen. Der Innenminister kam nicht - aber Willi rückte aus. Die „Krone“ war dabei.

Bauhof Innere Stadt, 5 Uhr früh. Die Mitarbeiter sind startklar. Unter ihnen ein Promi in Arbeitsmontur. Georg Willi, Innsbrucks Bürgermeister, löste am Freitag ein Versprechen ein. Eigentlich wollte er in Begleitung des Innenministers kommen. Wie berichtet, hatte Willi in der Debatte um die 1,50 €-Jobs für Asylwerber Kickl in einem offenen Brief eingeladen, sein Vorhaben bei einer Frühschicht des Innsbrucker Straßendienstes zu überdenken. Bauhöfe sind häufige Einsatzgebiete für Asylwerber. Diese dürfen nicht arbeiten, aber in Gemeinden mithelfen. 3 Euro zahlt Innsbruck dafür.

„3 Euro sind nicht viel, aber 1,50 Euro sind ein Schandlohn“, formuliert der Bürgermeister seine Kritik. Er will auch in Zukunft 3 Euro zahlen: „Wir dürfen Arbeit nicht entwerten. Das ist wichtig für Asylwerber. Das ist aber auch wichtig für all jene, die Innsbruck sauber halten und andere Dienste für eine lebenswerte Stadt verrichten.“

Mit Hochdruckreiniger, Besen und Schaufel
Wie aufwendig das ist, erfährt der Bürgermeister in den kommenden Stunden. Mit Hochdruckreiniger, Besen und Schaufel werden zuerst die Müllkübel rund um den Bahnhof geleert und gereinigt. „Er stellt sich geschickt an“, zollen die Kollegen dem Praktikanten Respekt. Die Arbeit scheint Willi gut von der Hand zu gehen. „Mit einem Besen kann ich umgehen“, meint dieser schmunzelnd. Ansonst wird nicht viel gesprochen. Die Zeit ist knapp, die Arbeit reichlich. Keiner der wenigen Passanten erkennt den Bürgermeister mit dem Besen. Nur auf der Bank sitzt einer, der Willi nicht aus den Augen lässt. Ein Betrunkener. Nach einer Weile zuckt er mit den Achseln. So, als wolle er sagen: heute besser kein Bier mehr!

Seite an Seite Dienst mit Asylwerbern
Zurück im Bauhof. Der nächste Auftrag wartet. Diesmal geht es mit dem Kehrtrupp zu Fuß los. Mit dabei Asylwerber Ahmad Zia. Er spricht kaum Deutsch. Trotzdem funktioniert die Verständigung. Die Bauhof-Mitarbeiter zeigen vor, wie’s geht. Und die Neulinge machen es nach. Rund 40 Asylwerber helfen in Innsbruck mit. „Wir sind froh um diese Unterstützung“, erklärt Straßenmeister Siegfried Flörl. Willi sieht darin auch eine Form der Integration: „Einfach und wirkungsvoll.“

Inzwischen ist es längst hell geworden. Jetzt erkennen einige den Bürgermeister, der gerade den x-ten Müllkübel leert. „Gute Aktion“, lobt eine Passantin. Willi erklärt, dass er nicht nur wegen der Debatte um die 1,50 Euro da ist. Er wolle auch die Arbeit der Stadtbediensteten kennenlernen, ihre Ideen aufgreifen, ihre Sorgen verstehen.

10,50 Euro für sieben Stunden Arbeit
Später an diesem Tag mäht der Stadtchef im Huttererpark noch den Rasen. Zwischen dem Grünzeug ist er in seinem Element. Kurz vor 12 Uhr ist Schichtende. Sieben Stunden hat der Bürgermeister mitgeholfen. Bei einem Stundenlohn von 1,50 Euro hätte er 10,50 € verdient. „Das wird dem Wert der Arbeit nicht annähernd gerecht“, lautet das Resümee von Georg Willi.

Claudia Thurner
Claudia Thurner

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