Interview Christof Loy

Turbulentes spanisches Liebesfeuerwerk an der Wien

Kultur
22.01.2026 20:30

Der deutsche Regisseur Regisseur Christof Loy lässt in der Zarzuela „Benamor“ im Theater an der Wien die Geschlechter im Orient-Varieté tanzen. Ein Gespräch über 

Ausgerechnet mit den acht Dienern aus „Capriccio“, die das Geschehen kommentieren, während sie den Salon aufräumen, begann Christof Loys Reise in das Universum Zarzuela. Er inszenierte das „Konversationsstück“ von Richard Strauss am Teatro Real in Madrid und war skeptisch, ob die acht spanischen Sänger, seine Musiktheatervorstellungen umsetzen könnten.

„Aber ich war total verblüfft, was da für ein Feuerwerk zwischen den acht abbrannte. Das hat so viel Spaß gemacht, dass ich die Rollen sogar ausgebaut habe“, erinnert er sich.

Spanisches zwischen Basel, Wien und Madrid
Das Geheimnis: Die Sänger brachten allesamt große Zarzuela-Erfahrung mit. Von jener spanischen Musiktheaterform, die seit dem 17. Jahrhundert besteht, und „in der man, wie in der Operette, singen, tanzen, spielen, sprechen und unglaublich wach im Zusammenspiel sein muss. Also dachte ich mir, das muss ich kennenlernen!“ Inzwischen hat sich Loy intensiv mit dem Genre beschäftigt, hat gerade mit Riesenerfolg die Zarzuela „El barberillo de Lavapiés“ in Basel inszeniert und wird Ende des Jahres am Teatro de la Zarzuela in Madrid arbeiten.

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Das Ganze wird so auch ein Plädoyer dafür, dass Liebe eben dort stattfindet, wo sie hinfällt. Ganz unabhängig von Geschlecht und Identität.

Christof Loy

Interview Regisseur Christof Loy lässt in der Zarzuela „Benamor“ im Theater an der Wien die ...
Interview Regisseur Christof Loy lässt in der Zarzuela „Benamor“ im Theater an der Wien die Geschlechter im Orient-Varieté tanzen.(Bild: Eva Manez)

Dort hat er auch Pablo Lunas „Benamor“ entdeckt. Er hält Zarzuela in Wien für überfällig: „Wien ist eine internationale Stadt. Gerade ein Stück wie Benamor, wo es darum geht, was nicht konform, was fremd scheint, passt perfekt. Es fängt ein bisschen wie die ,Entführung aus dem Serail’ an, und fragt, wie gehen wir mit dem Exotischen und mit dem Orient um.“

Geschlechtertausch als Schutz
Die Ausgangslage: Der Sultan Darío will seine Schwester Benamor endlich verheiraten. Was beide nicht ahnen: Darío ist eigentlich eine Frau, und Prinzessin Benamor ist ein Mann. Sie wurden zu ihrem Schutz im jeweils anderen Geschlecht erzogen. Das Auftreten der Heiratskandidaten sorgt natürlich für ordentliche Verwirrung. Das Ganze folgt einer Logik, die an die unglaubwürdige Verkleidung und den Partnertausch der Liebhaber in Mozarts „Così fan tutte“ erinnert.

In Liebesturbulenzen: Sofía Esparza (Nitetis), Marina Monzó (Benamor), Alejandro Baliñas Vieites ...
In Liebesturbulenzen: Sofía Esparza (Nitetis), Marina Monzó (Benamor), Alejandro Baliñas Vieites (Rajah-Tabla), César Arrieta (Jacinto)(Bild: Monika Rittershaus)

Doch „genau das liebe ich an dem Stück. Das ist eine reine Theaterbehauptung, wie in der ,Così’. Eine Verabredung zwischen dem Publikum und dem, was auf der Bühne passiert. Das müssen wir jetzt einfach glauben. Wenn wir das tun, funktioniert es und wir haben wahnsinnig viel Spaß“, sagt Loy.

Haremsdamen, die sich nach mehr Sex sehnen
Dabei „wird mit den Klischees gespielt“. Etwa wenn die Haremsdamen gar keine Opfer sind, sondern ausgehungert, weil sie keinen Sex haben, nachdem ihr Sultan eine Frau ist und sie nie besucht. „Das ist natürlich schon wahnsinnig frech“, sagt Loy – und hat sich auch noch einen kleinen Besetzungstrick einfallen lassen: „Ich habe die Schrauben ein bisschen weitergedreht, indem ich den Sultan, der in Wirklichkeit eine junge Frau ist, mit einem Mann, einem Sopranisten, besetzt habe. Es gibt also nicht nur die Hosenrolle, sondern auch eine Rockrolle.“

Federico Fiorio (Darío), David Oller (Juan de León)
Federico Fiorio (Darío), David Oller (Juan de León)(Bild: Monika Rittershaus)

Die Geschlechter werden in jedem Fall ordentlich herumgewirbelt. Denn auch die Rolle von Benamor, eigentlich ein Mann, ist für eine Sängerin geschrieben. „Das große Liebesduett am Ende, ist dann bei uns zwischen zwei Männern. So wird das Ganze auch ein Plädoyer dafür, dass Liebe dort stattfindet, wo sie hinfällt. Ganz unabhängig von Geschlecht und Identität.“

Inspiriert vom Tausend-und-einer-Nacht
Nachdem das Stück von tausendundeine Nacht inspiriert ist, lässt es Loy in „einem Theaterfantasie-Zeitalter“ spielen: „Es ist musikalisch eine unglaubliche Reise. Man hört zu Beginn, was zum spanischen Musikgut mit all seinem arabischen Einfluss gehört. Im zweiten Akt, der in der Stadt spielt, ändert sich das radikal. Plötzlich erklingen ein Shimmy und die Tanzrhythmen der 20er-Jahre. Sogar die Prinzessin Benamor, die sich in der Stadt zu einer anderen Person verwandelt, führt den Foxtrott bei ihren Haremsdamen ein. Wir bewegen uns also zwischen Tausendeiner Nacht und einem Varieté-Theater.“

Es wird daher viel getanzt. Und auf Spanisch gesungen und gespielt. Denn in „einer internationalen Welt des Netflix-Schauens“, sollte das kein Problem sein, ist Loy überzeugt: „Die Dialoge sind ein wesentlicher Teil dieses Genres. Aus der Sprache kommt die ganze Energie. Und für einen Abend verwandelt sich das Theater an der Wien in ein ,Hotel Zarzuela’.“ 

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