10.05.2019 14:23 |

Meinungsforscher:

„EU-Wahl hat Charakter einer ÖH-Wahl in den 90ern“

Etwas mehr als zwei Wochen sind es noch, bis Österreich seine neuen Abgeordneten zum Europaparlament wählt. Die Parteien sind in den Wahlkampf gestartet, die TV-Duelle und Diskussionsrunden haben begonnen und auch die Meinungsforscher sind bereits fleißig am Analysieren. Die aktuellen Prognosen hat Christoph Haselmayer, Geschäftsleiter beim Meinungsforschungsinstitut OGM, im krone.tv-Studio zusammengefasst. Das vollständige Interview mit Moderatorin Damita Pressl sehen Sie im Video oben. 

Als wahrscheinlichstes Szenario in Österreich sieht Haselmayer derzeit die ÖVP auf Platz eins, dicht gefolgt von den Sozialdemokraten auf Platz zwei und den Freiheitlichen auf Platz drei.

Auf europäischer Ebene „flotter Dreier“ möglich
Europaweit hätten allerdings laut Haselmayer sowohl die Christdemokraten als auch die Sozialdemokraten Einbußen zu befürchten. Eine große Koalition werde sich aber trotzdem ausgehen, schätzt der Meinungsforscher - aber auch ein „flotten Dreier“ mit den Grünen oder den Liberalen sei denkbar.

Quer durch Europa sieht Haselmayer vor allem eine gestärkte Rechte. Dies führt er auf die fehlende inhaltliche Diskussion zurück. Stattdessen drehe sich der Diskurs vor allem darum, ob man für oder gegen die Rechten sei. Das helfe den rechten Parteien, ihre Basis zu mobilisieren und ihre Wähler zu den Urnen zu bringen. 

Die politische Mitte hingegen würde verlieren, weil die Inhalte und auch die Diskussionen immer spitzer werden - das wirke sich auf die Extremen günstig aus, gemäßigtere Positionen würden dadurch zurückfallen.

„Eine ,Europa-Stimmung‘ schaut definitiv anders aus“
Auch befürchtet Haselmayer eine eher niedrige Wahlbeteiligung. 2014 lag diese ja in Österreich bei etwa 45 Prozent. Diesmal erwartet Haselmayer einen leichten Anstieg auf 48 bis 50 Prozent, was laut ihm immer noch „demokratiepolitischer Wahnsinn“ sei. Die EU-Wahl habe „den Charakter einer ÖH-Wahl in den Neunzigerjahren“. Eine „Europa-Stimmung“ schaue definitiv anders aus.

Die Wahlbeteiligung hängt laut Haselmayer aber auch stark vom jeweiligen Mitgliedsstaat und der innenpolitischen Situation vor Ort ab. So wird heuer aufgrund des Brexit in Großbritannien eine besonders schlechte Beteiligung erwartet. Die Unterschiede bei Parteien, Spitzenkandidaten und medialer Berichterstattung in den einzelnen Staaten erklären, so der Meinungsforscher, warum die Wahlbeteiligung zwischen 13 Prozent, wie 2014 in der Slowakei, und knapp 90 Prozent, wie im selben Jahr in Belgien, schwanken kann. 

Damita Pressl
Damita Pressl
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