Di, 21. Mai 2019
01.05.2019 06:00

Digitale Job-Ängste

Wie die Zukunft die Arbeit verändert

Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Roboterarbeit: Begriffe aus einer anderen Welt prasseln auf Arbeitnehmer nieder und sorgen für Job-Ängste. Doch wo sind die Grenzen? Welche Berufe haben die besten Chancen, im Zeitalter der Digitalisierung zu bestehen? Die „Krone“ wirft am Tag der Arbeit einen Blick auf die Jobs der Zukunft.

Der „Tag der Arbeit“ geht zurück auf den 1. Mai 1886, an dem US-amerikanische Arbeiter um den Acht-Stunden-Tag kämpften. Heute mischen Begriffe wie 12-Stunden-Tag, Vier-Tage-Woche oder Flexibles Arbeiten die Arbeitswelt auf.

Aktuelle Studien zeigen, dass neue Parameter an Bedeutung gewinnen: Die Sinnhaftigkeit von Arbeit wird immer wichtiger. Die Hälfte der Arbeitnehmer in Österreich (49 Prozent) würde für mehr Freude am Job sogar ein geringeres Gehalt akzeptieren, geht aus einer Erhebung des Netzwerks Xing hervor.

In puncto Organisation von Arbeit spielt individuelle Einteilung eine zentrale Rolle: Vier von zehn Österreichern (44 Prozent) glauben, dass flexible Arbeitszeiten zu einer Verbesserung der Work-Life-Balance führen. Für fast jeden Dritten (30 Prozent) würde die Möglichkeit, im Home-Office zu arbeiten, Vorteile bringen.

Experte: „Der Umbruch ist bereits spürbar“
Der Forscher Peter Wippermann ging der Frage nach, wie aktuelle Trends die Zukunft der Arbeit prägen werden. „Digitale Transformation, neue Geschäftsmodelle, demografischer Wandel: In 15 Jahren wird es viele Berufe geben, die wir heute noch gar nicht kennen. Der Umbruch ist bereits spürbar“, sagt der Zukunftsforscher. 15 Prozent der Beschäftigten seien in Berufen tätig, die erst nach 2003 entstanden sind.

Beispiele für solche zukunftsträchtigen Jobs, die es bis dato noch nicht gab: der Machine-Learning-Ingenieur, der selbstlernende Algorithmen für künstliche Intelligenzen programmiert, der KI-Forensiker, der bei der Spurensuche etwa bei Unfällen selbstfahrender Autos unterstützt, oder auch der Cloud-Architekt, der die Datenstrategie von Unternehmen überwacht.

„Wie Unternehmer werden viele künftig ihre Arbeit selbstbestimmt gestalten, Aufgaben und Zeiteinteilung selbst kontrollieren“, sagt Forscher Wippermann: „Die klassischen Nine-to-five-Tätigkeiten haben langfristig ausgedient. In 15 Jahren wird es mehr Jobbörsen geben, auf denen Arbeit minutenweise angenommen wird. Freischaffende Projektarbeit wird zum neuen Standard.“

Eine vielzitierte Oxford-Studie berechnete 2013, wie hoch die Wahrscheinlichkeit für 700 Berufe ist, dass es sie in wenigen Jahren nicht mehr geben wird (siehe Grafik unten).

Die Verlierer der Modernisierung
Markus Reitzig, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Uni Wien, skizziert den Wandel in der Arbeitswelt im Gespräch mit der „Krone“.

„Krone“: Herr Professor, wie werden wir morgen arbeiten?
Markus Reitzig: Wir werden noch mehr mit Maschinen zusammenarbeiten als bisher. Je weniger ein Berufsprofil Fähigkeiten wie Kreativität, soziale Intelligenz, Fingerfertigkeit und Wahrnehmung verlangt, desto eher macht sich das in sinkenden Gehältern bemerkbar.

Welche Bevölkerungsschicht ist hauptsächlich vom Wandel betroffen?
In vielen Debatten werden die Jobs der Mitarbeiterin am Fließband oder des Friseurs als gefährdet angesehen. Die vermeintlich besser Gebildeten fühlen sich sicher, weil in den letzten 200 Jahren vor allem jene Arbeitnehmer verloren haben, die schlecht ausgebildet waren. Heute stellt sich die Sache anders dar. Künstliche Intelligenz könnte sehr gut ausgebildete Teilnehmer am Arbeitsmarkt unter Druck setzen, die in den 1980er-Jahren lange studieren mussten und die derzeit primär für ihre analytischen Fähigkeiten bezahlt werden. Genau in diesen Berufen werden Maschinen exponentiell besser.

Was bedeutet das für die Zukunft der Arbeitswelt?
Ganz konkret kann es sein, dass von dieser Entwicklung einige kurzfristig überrollt werden, die wir klassischerweise nicht als potenziell Arbeitslose kennen. Das sind Personen über 40, mit guter Ausbildung, hohem Gehalt, hohen finanziellen Verbindlichkeiten und Lebensstandards. Um dem gegenzusteuern, müssen sich Menschen komplementäre Fähigkeiten zu den Technologien der Zukunft aneignen.

Philipp Neuner und Sandra Schieder, Kronen Zeitung

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