Unerlaubte Nutzung

A1-Crash: Das ist nicht der Sinn der Rettungsgasse

Sieht man auf der Autobahn in Massen Bremslichter aufleuchten, ist es meist bereits passiert: Ein Unfall, der in der Folge langes Warten, Schritttempo und einen sich nur langsam auflösenden Stau beschert. Ein derartiges Bild bot sich auch am Montag, als ein Sattelschlepper-Unfall die Westautobahn in Niederösterreich für viele Stunden lahmlegte - zwar funktionierte die Bildung der Rettungsgasse zeitweise, Nutznießer waren dabei jedoch nicht die Einsatzkräfte alleine, wie ein Leser-Video zeigt.

Aufgenommen wurde der Clip am Montag gegen 11.15 Uhr bei überaus zähem Kolonnenverkehr auf der A1 nahe dem Abschnitt Loosdorf - Melk in Fahrtrichtung Salzburg. In den Morgenstunden war dort ein mit Rindenmulch beladener Sattelschlepper umgekippt. Die Folgen waren verheerend, da der Sattelaufleger alle drei Fahrspuren blockierte. Rasch baute sich ein Stau auf, der Verkehr musste über die B1 umgeleitet werden.

Rettungsheli im Einsatz
Im Einsatz standen zahlreiche Helfer von drei Feuerwehren, die unter anderem auch mit einem 50-Tonnen-Kran ausrückten, um das Schwerfahrzeug wieder auf die Räder zu bekommen und abzutransportieren. Der schwer verletzte Lenker des Lkw wurde nach der Erstversorgung mit dem Notarzthubschrauber ins Krankenhaus geflogen. Der Fahrer hatte gesundheitliche Probleme, dadurch war es zu dem Crash gekommen, wie am Dienstag bekannt wurde.

„Rettungsgasse hat erst gar nicht funktioniert“
Leser Michael K. C. war einer der Leidtragenden, die an diesem Tag im Stau standen. Kurz vor St. Pölten hieß es für ihn: Stillstand. „Die Bildung der Rettungsgasse an dieser Stelle hat zunächst überhaupt nicht funktioniert“, berichtet er im Gespräch mit krone.at. Erst nach Minuten hätten die Fahrzeuge eine Schneise gebildet, um Einsatzkräften das Durchkommen zu ermöglichen. Als der Leser wenig später Blaulicht im Rückspiegel sieht und ein Folgetonhorn aufheulen hört, greift er - bei stehendem Fahrzeug - zum Handy, und sollte Szenen festhalten, die einen den Kopf schütteln lassen.

Wie das der „Krone“ zugespielte Video zeigt, fahren zunächst Einsatzkräfte der Feuerwehr, darunter auch ein Fahrzeug samt Bagger auf einem Anhänger, zwischen den Kolonnen hindurch. Doch nicht nur diese: Denn auch der ein oder andere Verkehrsteilnehmer sollte die Gunst der Stunde bzw. eines freien Fahrstreifens nutzen. Gleich mehrere Autofahrer folgen den Einsatzfahrzeugen unerlaubterweise durch die Rettungsgasse.

„Es kümmert sich kein Mensch“
Kurz danach sei der Strom an Verkehrsrowdys abgerissen, berichtete C. weiter - aufrechterhalten worden sei die Rettungsgasse aber nur noch teilweise. „Danach kam noch ein einziges Polizeiauto, das jedoch nach rechts und links ausweichen musste, um durch die Kolonne gelangen zu können“, schildert der Augenzeuge entsetzt. Das Fazit seiner Beobachtungen: „Es kümmert sich kein Mensch.“ Einzig eine Beobachtung wertet C. überaus positiv: „Zumindest haben sämtliche Verkehrsteilnehmer rechtzeitig die Warnblinkanlage eingeschalten.“

Das sagt das Gesetz
Laut geltendem Gesetz sind grundsätzlich nur Einsatz-, Pannendienst- und Straßendienstfahrzeuge berechtigt, die Rettungsgasse zu benützen. Das Befahren, allerdings auch das Nachfahren hinter einem Einsatzfahrzeug, so wie es auch in dem Video zu sehen, ist strafbar, Geldbußen von bis zu 726 Euro drohen. Behindert man dabei allerdings auch noch ein Einsatzfahrzeug, kann es richtig teuer werden. Dann drohen Strafen zwischen 72 und 2180 Euro!

Überdies soll es noch heuer eine Änderung in der Straßenverkehrsordnung geben - dann wird das Befahren des Pannenstreifens - wie etwa auch Alkoholisierung, das Überfahren eines Stoppschildes oder auch das Ignorieren eines Zebrastreifens - zum Vormerkdelikt. Wann die ursprünglich für 1. Jänner geplant gewesene Umsetzung kommt, ist allerdings immer noch unklar.

Christine Steinmetz
Christine Steinmetz
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