21.04.2019 10:20 |

Matthias Trattnig

„Es ist so wichtig, für danach vorzubauen“

Das Karriereende kam noch vor dem 40. Geburtstag: Eisbullen-Institution Matthias Trattnig redete zur Doppelzäsur über seine Gefühlswelt, Vorbilder und Zukunft - Robert Groiß schrieb mit.

Krone: Matthias, seit gut einer Woche bist du in der „Eishockey-Pension“ - wie ist die Stimmungslage?
Trattnig: Die ersten Tage war ich sehr enttäuscht, dann zwei, drei Tage sehr angefressen - mental down, weil es vorbei ist. Jetzt genieße ich die Sonne, geht es viel besser. Schon überrascht haben mich die vielen SMS und WhatsApp, die ich gekriegt habe. Auch von Leuten, mit denen ich schon seit vielen Jahren keinen Kontakt mehr gehabt habe.

Krone: Am Ostermontag feierst du deinen 40. Geburtstag. Tut auch das neben dem Karriereende ein bissl weh?
Trattnig: Nein, überhaupt nicht. Ich bin ja auch kein großer Geburtstags-Feierer. Und ich spür den 40er nicht, fühl mich körperlich gut. Es ist so: Jeden Geburtstag kommt ein Jahr dazu.

Krone: Du bist mit deiner Karriere für viele ein Vorbild. Welcher Trainer oder Spieler hat dich am meisten geprägt?
Trattnig: Als Kind - auch ohne Internet - Wayne Gretzky. Und durch Erzählungen meines Vaters ein gewisser Dr. Arthur Marczell, mit dessen Sohn ich auch zusammengespielt habe. Mir hat der Doktortitel bei einem aktiven Crack so imponiert. Der steht dafür, dass man neben dem Eishockey auch noch was Gescheites gelernt hat.

Krone: Umgelernt hast du 2009 unter Trainer Pierre Pagé, vom Stürmer zum Verteidiger. Fiel dir das sehr schwer?
Trattnig: Eigentlich nicht. Wir haben so offensiv gespielt - fünf Spieler, keine Position. Mit eisläuferischer Qualität konnte ich mir gut helfen, musste aber auch einiges lernen. Und offensiv konnte ich „Freigeist“ sein.

Krone“: Apropos Pagé: Hättest du eine kleine Geschichte zum Schmunzeln auf Lager?
Trattnig: Grundsätzlich musste im Play-off bei Niederlage das Hotel gewechselt und besser werden. Da gab es einmal gegen KAC fast keine Steigerung mehr, stiegen wir sogar im Schlosshotel Seefels am Wörthersee ab.

Krone“: Was wünscht du der Eishockeyliga für die Zukunft?
Trattnig: Dass junge österreichische Spieler ihre Chance bekommen, die Liga aber auch interessant bleibt, die wirtschaftliche Seite gesehen wird. Da den Mittelweg zu finden, fällt sicher schwer.

Krone“: Von hundert auf null geht nicht – wie wird nun trainiert?
Trattnig: Am Donnerstag ist mir das Training schon abgegangen. Sport macht mir Spaß, ich brauch ihn, um Energie abzulassen. Jetzt hol ich mal das Ruderboot raus, Golf und Tennis gibt’s auch noch.

Krone“: Wo siehst du dich in zehn Jahren eher: Weiter als Hotelier am Wörthersee oder als Eishockey-Trainer/-Manager?
Trattnig: Weder noch. Ich kann mir vorstellen, dass es Richtung Immobilien geht. Ich werde die Optionen abwägen, wenn sie kommen.

Krone“: Welche Frage würdest du dir gerne noch selbst stellen?
Trattnig: Ob ich in meiner Karriere alle meine Ziele erreicht habe?

Krone“: . . . und die Antwort?
Trattnig: Das größte Ziel NHL - obwohl ich alles gegeben hab - nicht. Aber dafür andere sehr wohl. So habe ich mein MBA-Studium neben dem Sport erfolgreich absolviert. Es ist so wichtig, für die Zeit danach vorzubauen. Denn ich habe viele gesehen, denen mit 30, 35 der Umstieg sehr, sehr schwer gefallen ist.

Robert Groiss
Robert Groiss
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