Fr, 26. April 2019
07.04.2019 06:00

Heiß umfehdet

Politik, Medien und die „Krone“

Heiß umfehdet, wild umstritten. So heißt es so schön in der österreichischen Bundeshymne. Auch die Geschichte der „Kronen Zeitung“ war politisch und medial oft turbulent. Doch das ist gut so. Eine Analyse von Politologe Peter Filzmaier (siehe auch Video oben). 

Die „Krone“ kennt jeder! Seit 1968 ist die „Krone“ die führende Tageszeitung des Landes. Sie wird von einer Mehrheit der Österreicher - bis zu vier Millionen und gigantischen 57,3 Prozent an Sonntagen im Jahr 2005 - gelesen. Nur zum Vergleich: Die „Bild“-Zeitung als Aufreger in Deutschland erreichte zur selben Blütezeit der Druckmedien nicht über 20 Prozent Reichweite.

In der Schweiz mit einer ähnlich großen Einwohnerzahl wie Österreich erreichte der „Blick“ selbst zu seiner allerbesten Zeit 1986 weniger als ein Zehntel der maximalen Leserzahl der „Krone“. Die „Krone“ ist bei uns zudem als Abbild der Bevölkerung Marktführer von den Arbeitern bis zu den Akademikern. Sie hat sogar mehr Leser als praktisch alle Tageszeitungen in den USA. Obwohl es dort über 30-mal mehr Einwohner gibt.

Die „Krone“ hat Inhalte! Ja, die tägliche nackte Frau auf Seite 11 war berühmt und berüchtigt. Doch das Spektrum der „Krone“ reicht von ausführlichen Wirtschaftsseiten bis zum Sport. Wussten Sie beispielsweise, dass der langjährige Leiter der Wirtschaftsredaktion, Georg Wailand, auch das größte Fachmagazin für Wirtschaft in Österreich - den „Gewinn“ - herausgibt?

Genauso gab es unter den hauseigenen Kolumnisten der „Krone“ für Politik und Medien sowohl Staberl als auch Telemax. Ersterer galt in seiner Deutlichkeit unter Berufskollegen als Mann der sprachlichen Gewaltmethode. Der Letztgenannte wurde sogar von bei Mitbewerbern tätigen Journalisten als Edelfeder mit ganz feiner Klinge bewundert. Heute steht sonntags Conny Bischofberger doppelseitig für das Führen sehr sensibler Interviews.

Die „Krone“ regt auf! Der Vorwurf des Kampagnenjournalismus begleitet sie seit Lebzeiten. Doch so einfach ist die Sache nicht. Sie lässt sich nämlich nicht vereinnahmen. Weder von der Wirtschaft noch von einer Partei. Ungeachtet der Werbungsgelder von Unternehmen ist die „Krone“ für Umweltschutz und ungeachtet der Inserate von Lebensmittelketten gegen Gentechnik. Man macht sich auch nicht gemein mit der jeweiligen Regierung, denn der einstige Konflikt mit Bundeskanzler Schüssel ist legendär.

Auch in der Steiermark wird mit Sicherheit niemand behaupten, dass der ehemalige Landeshauptmann Franz Voves einen Amtsinhaberbonus gehabt hätte. Er und die „Krone“ befanden sich sozusagen in offener Feldschlacht. 1984 kämpfte man Seite an Seite mit den Grünen in der Hainburger Au, heute sind diese scharfe „Krone“-Kritiker. Doch anders als die „Bild“-Zeitung in Deutschland war man, mit Bruno Kreisky beginnend, nie das ewige Feindbild der Sozialdemokraten oder Linken.

Die „Krone“ kann viel! Sie war stets der offiziellen Blattlinie entsprechend die Summe der Meinungen ihrer Macher und Gastkommentatoren von der grünen Ex-Politikerin Monika Langthaler bis zu Kardinal Christoph Schönborn. Zudem gilt: Den Diskurs mit den Menschen sollte niemand im Elfenbeinturm der Universität führen. Sondern dort, wo die Leute sind, auch wenn das bodenständig ist sowie manchmal deftig und wehtut. Man ist auch abgesehen vom hier schreibenden Politikwissenschafter nicht klassischer Boulevard, sondern Kauf- und regionale Abonnementzeitung. Die „Krone“ ist zudem keinesfalls nur im Großraum Wien groß, sondern genauso in den Bundesländern sowie ebenda auch im ländlichen Raum jenseits der Hauptstädte sehr stark vertreten.

Das sind gewichtige Unterschiede zu gratis verteilten Umsonstblättern mit dem Namen der Republik. Was die inhaltliche Qualität in Konkurrenz zu den Bundesländerzeitungen betrifft, sagt der Politik- und Medienberater Peter Plaikner: „Die ,Krone‘ als Mitbewerber hat uns gezwungen, viel besser zu werden!“ Plaikner war in einem früheren Leben in den Neunzigerjahren Mitglied der Chefredaktion der „Tiroler Tageszeitung“ und damals fast auf dem Sprung zur „Krone“.

Die „Krone“ bringt zum Lachen! Bei Jubiläen muss man ehrlich sein, dass Kritik oft auch berechtigt ist. Nicht weil die „Krone“ eindeutige Positionen vertritt. Das soll so sein. Über 90 Prozent der amerikanischen Zeitungen geben sogar Wahlempfehlungen ab. Es geht um die saubere Trennung von neutralen Berichten und meinungsstarken Kommentaren. Kolumnen und auch Analysen können und dürfen nicht objektiv sein. Sie sind ja auch in einem Kästchen und mit dem Namen des Autors klar als persönliche Ansicht gekennzeichnet. In den sonstigen Artikeln freilich hätte die Subjektivität weniger etwas zu suchen.

Der gröbste Verstoß war aber zum Schmunzeln: Statt der üblichen Tierecke gab es vor der Nationalratswahl 2008 eine Doppelseite „Wenn Tiere wählen könnten“. Die Spitzenkandidaten wurden nach einem Punktesystem von „Flocki“, „Schnurli“ & Co. bewertet.

Peter Filzmaier, Kronen Zeitung

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