14.03.2019 19:18 |

Der Comic zur Serie

Die „American Gods“ sind wieder auf Kriegszug

Am 11.3 ging endlich die erste Episode der heißersehnten zweite Staffel von „American Gods“ nach langer Sehnsucht bei Amazon Prime Video online. Der cineastisch schön aufbereitete Road Trip, durch ein Amerika das voller Götter und seltsamer Wesen ist, geht somit in die nächste Runde. Wir nutzen diesen Umstand als Ausrede, um einen langen Blick auf die Comic-Adaption von Neil Gaimans Klassiker zu werfen und die Serie für Neueinsteiger noch einmal zusammen zu fassen. 

Innerhalb der Comicszene hat sich der Autor Neil Gaiman, dem man am Anfang seiner Karriere geraten hat doch lieber Journalist anstatt Comicschreiber zu werden, schon längst einen Namen gemacht. Sei es mit bereits animierten „Kinderbüchern“ wie „Coraline“, Zusammenarbeiten mit dem großen Terry Pratchett oder an der Seite diverser Zeichner. So entstand „Sandman“, „Batman - Was wurde aus dem dunklen Ritter“, „Marvel 1602“.

Egal ob man ihn schon seit langer Zeit kennt, ob man ihn erst aufgrund seiner berühmten Freundin und Musikerin Amanda Palmer gefunden hat oder ob man erst dank „American Gods“ auf den Briten gekommen ist; ein Blick in seine Bibliographie lohnt sich. Innerhalb seiner Saga rund um Shadow Moon, einen Ex-Häftling, beschäftigt er sich mit der simplen, jedoch komplexen, Frage: „Was wäre, wenn wir unseren Glauben mitnehmen würden, wohin wir auch gehen? Und was passiert mit den Göttern im neuen Land?“ Die Folklore kann es kaum erwarten.

Die nächste Verfilmung, von der bereits die ersten Trailer erschienen sind, betrifft nichts Geringeres als „Good Omens“ von Pratchett und Gaiman.

Die Götter im Handgepäck
Shadow ist ein Mann ohne viel Glück. Seine Frau ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Er selber ist aus Gründen, die er noch nicht so ganz nachvollziehen kann, der Leibwächter des nordischen Gottes Odin geworden. So schnell wie eine Münze wirbelt, die in die Luft geschnippst wurde, so schnell fühlt er sich hin und her geworfen. Zwischen Leprechauns, sechsarmigen indischen Gottheiten und den sogenannten „New Gods.“

Sie sind es, die Probleme machen. Mit ihren Handys, ihren Autos, ihren digitalen Fratzen, ihren Dating-Plattformen. Und er ist mit Odin einen Arbeitsvertrag eingegangen, also lässt er sich auf das Spiel ein. Den größten Krieg aller Zeiten. Der Comic, bei dem Scott Hampton, P. Craig Russell und Neil Gaiman ein gutes Team abgeben, überzeugt mit seinen vielschichtigen Zeichnungen und dem nahen Gefühl einer guten Adaption. Auch Neueinsteigern wird der Comic zusagen, aber er könnte auch etwas verwirren.

Ein Hinweis: am Besten gleich einige Bücher über volkstümliche Überlieferungen mit dazu kaufen. Man wird ebenso viele Götter kennen, wie man sie nicht kennt. Von Neil Gaiman selbst gibt es etwa das sehr empfehlenswerte Buch „Nordische Mythen und Sagen“.

Zuerst eine Karusselfahrt und dann eine Schlacht
Die zweite Staffel setzt mit der ersten Folge „House on the Rock“ direkt dort an, wo sie aufgehört hat. Shadow Moon (Ricky Whittle) der immer mehr in das Geflecht von Odin (Ian McShane), dem Allvater, rutscht, lernt nun endlich die Gestalten der Götter kennen. Mancher zumindestens. Denn nicht alle Götter sind auf der Seite des Mannes mit nur einem Auge und zwei Raben. Viele wollen überzeugt werden und wo beim Zuseher die schönen Bilder reichen, braucht es bei den teils jahrhunderte alten Göttern durchaus mehr.

Aber auch die Neuen im Spiel haben mit Problemen und vielleicht auch Verlusten zu kämpfen. Mr. World (Crispin Glover) ist überzeugt Media an ihrer Front zu brauchen, doch die scheint wie vom Erdboden verschluckt. Technical Boy macht sich auf die Suche und wird dabei Ungeheuerliches entdecken. Und wo sind eigentlich Laura (Emily Browning) und Mad Sweeney (Pablo Schreiber) abgeblieben? Erstere, ist die tödlich verunglückte Frau von Shadow, die sich aber sehr quicklebendig durch‘s Leben schlägt. Und der Zweite ist der noch glücklosere Kobold aus Irland, der eine wichtige Münze verloren hat. Man darf auf die nächsten Folgen gespannt sein, darf aber daran erinnert werden; diese Serie ist nichts für schwache Nerven.

Wem könnte esgefallen?
Zu der Serie und dem Buch kann man jedem raten, der bildgewaltige Sprache ebenso zu schätzen weiß wie Märchen, Sagen und Fantastisches. Ein Road-Trip durch Amerika, gespickt mit eindrücklichen Bildern. Die Serie neigt zur definitiven Darstellung von Gewalt, der Comic hingegen flacht das etwas ab und orientiert sich direkter an der Buchvorlage. Geheimtip: Beides ausprobieren.

Gaiman/Russell, ISBN: 978-3-96219-002-6, Splitter Verlag

Alle bisherigen Teile der Comicadaption sind beim Verlag erhältlich. Der dritte Teil „American Gods - Ich, Ainsel 1/2“ erscheint am 1.5.2019.

Anna Krupitza
Anna Krupitza
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