"Bruder schuldig"

Missbrauch im Kirchenlager: Abt bricht Schweigen

Steiermark
25.02.2010 11:33
Der Abt des obersteirischen Stifts Admont (Bild), Bruno Hubl, hat sich am Donnerstag für den am Mittwoch bekannt gewordenen Missbrauch von Kindern (siehe Story in der Infobox) durch einen bereits verstorbenen Mitbruder entschuldigt: "Mit tiefer Betroffenheit wende ich mich an die Öffentlichkeit..."

"Es ist unserer ganzen Gemeinschaft ein Anliegen, klarzustellen, dass jede Form von Kindesmissbrauch absolut zu verwerfen ist und ein äußerst schweres Unrecht gegenüber Minderjährigen darstellt", beteuerte Hubl. Der ehemalige Pfarrer von St. Gallen (Bezirk Liezen), "ein nun schon verstorbenes Mitglied unserer Gemeinschaft, hat sexuellen Missbrauch an Kindern verübt", gestand Hubl.

"Möchten uns hierfür entschuldigen"
Jedes Opfer habe oft ein Leben lang daran schwer zu tragen. Dies gelte erst recht, wenn ein solch gravierendes Fehlverhalten durch einen Priester oder Ordensmann geschehe. "Da einer unserer Mitbrüder schuldig geworden ist, trifft das einen jeden aus unserem Konvent sehr schwer. Wir bedauern die Vorkommnisse und möchten uns hierfür entschuldigen. Der Schaden, der bei einem solchen schuldhaften Verhalten angerichtet wird, ist nicht mehr gut zu machen", erklärte der Ordensmann.

Hotline eingerichtet
Opfer können sich bei der Ombudsstelle der Diözese (Telefonnummer: 0676/8742-6899) oder direkt beim Abt (Tel.: 03613/2312) melden. "Wir setzen alles daran, mit den Beschuldigungen offen umzugehen und aus den gemachten Erfahrungen jene Maßnahmen zu treffen, die es nach menschlichem Ermessen möglich machen, präventiv zu handeln und bei eventuellen Vorkommnissen den Schaden bestmöglich zu begrenzen", teilte Hubl mit.

Übergriffe bereits in den 1970er-Jahren
Der Fall von - mutmaßlich mehrfachem - sexuellen Missbrauch durch den Pfarrer war am Mittwoch durch einen Zeitungsbericht ans Tageslicht gekommen. Die Diözese hatte bestätigt, dass der Fall aus den 1970er-Jahren bekannt sei. Allerdings sei seitens des einen bekannten Opfers nie eine Schmerzensgeld-, wohl aber eine Schweigegeldforderung gestellt worden. Nach Angaben des Mannes sei es auf einem Jugendlager auf der Alm zu den Übergriffen gekommen, ihm seien mindestens zehn weitere Opfer bekannt. Weil er bei den anderen wie auch von den eigenen Eltern keine Unterstützung fand, habe er Jahrzehnte geschwiegen.

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