20.02.2019 13:20 |

Das Neutor

Salzburgs erster Straßentunnel

Das Neutor ist der älteste Straßentunnel Österreichs: Schon 1675 wollte man hier den Berg durchsägen, nahm aber den Plan erst 1764 wieder auf. Und nur deshalb, weil sich der Erzbischof beim Hofkanzler erkundigte, warum sich der Bau seines Landhauses verzögerte. Antwort: „Mit einem Loch im Berg ginge es schneller.“

Es war vermutlich der Hofkanzler von Mölck, bei dem sich Fürsterzbischof Sigismund von Schrattenbach (1698–1771) erkundigte, warum sich der Bau seines Landhauses (Mölckhof) in der Riedenburg so verzögere: „Mit einem Loch durch den Mönchsberg ginge alles leichter“, soll der geantwortet haben. Historiker Franz Martin hat diese nette Anekdote überliefert.

Schon 1675 hatte man begonnen, den Berg von oben zu durchsägen, brach die Arbeiten aber ab und nutze das Areal als Steinbruch. Gebaut wurde der Tunnel dann ab 14. Mai 1764, drei Jahre später war der Durchbruch fertig. Gekostet hat der Bau 20.000 Gulden. Um 2000 bekam man damals einen Bauernhof samt Vieh.

Ingenieur Elias von Geyer nützte dabei geschickt die optischen Gesetze aus und verpasste dem Neutor eine baulich nicht nötige Steigung Richtung Riedenburg. So bricht sich der Lichteinfall am Tunnelboden und wird nach oben auf das Gewölbe geworfen. Der Stollen sollte nur ein Provisorium sein, man wollte nach wie vor den Berg hier zweiteilen, gab den Pan aber rasch wieder auf.

Nur das Urnerloch beim Gotthard Pass ist älter (1708), ebenso der Ilzdurchbruch bei Passau.

Ab 1916 führte die „Gelbe Elektrische“ durch das Neutor in die Riedenburg, ab 1940 dann statt der Straßenbahn der O-Bus. Während des Zweiten Weltkrieges diente das Neutor übrigens als Schutz für alle O-Busse. Sofort nach einem Luftalarm, der rund eine Stunde vor dem Angriff ausgelöst wurde, mussten alle Fahrzeuge das Neutor anfahren.

Wolfgang Weber
Wolfgang Weber
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