EL-Sieg versemmelt

Totalabsturz der Salzburger Bullen binnen 16 Minuten

Fußball
19.02.2010 12:15
Auswärts durch einen Janko-Doppelpack eine 0:2-Führung zur Halbzeit, der Gegner am Boden, das Heft fest in der Hand: So gut hat es für Red Bull Salzburg am Donnerstagabend im Hinspiel des Europa-League-Sechzehntelfinales gegen Standard Lüttich ausgesehen, doch dann wurde die glänzende Ausgangsposition für das Rückspiel in Salzburg doch noch billig verschenkt - und das in nur 16 pechschwarzen Minuten...

Dementsprechend groß war der Ärger bei Bullen-Trainer Huub Stevens. "Wir haben nach der Pause den Faden verloren und zu wenig Fußball gespielt", analysierte der Niederländer die Gründe der unangenehmen Wende. Die Chancenverteilung bezüglich Aufstieg ins Achtelfinale liegt für Stevens vor dem Rückspiel am Donnerstag in der Bullen-Arena dennoch weiter bei 50:50.

"Wir haben 2:0 geführt, hatten die Chance aufs 3:0 und haben das Spiel dann aus der Hand gegeben. Wir hätten Ruhe bewahren müssen, aber das haben wir nicht gemacht", so Stevens, dessen Team Gegentore von Axel Witsel (66./Elfmeter, 82.) und Igor de Camargo (80.) kassierte. In diesen 16 Minuten hat Salzburg mehr Treffer kassiert als in der gesamten Gruppenphase, als man alle sechs Partien gewann und Tormann Eddie Gustafsson nur insgesamt zweimal den Ball aus seinem Netz holen hatte müssen.

Katastrophaler Spielverlauf
Torgarant Janko war mit dem Ergebnis halbwegs zufrieden, "nur der Spielverlauf war eine Katastrophe". Dass er kurz nach der Pause die große Chance aufs 3:0 vergab, wollte der Teamstürmer nicht überbewerten. "Ich glaube, ich darf mit den zwei Toren zufrieden sein, da muss man die Kirche schon im Dorf lassen. Ich kann nicht jede Chance reinmachen. Im Rückspiel ist mit den Fans im Rücken sicher noch einiges möglich."

Kleidungs-Komödie am Rande
Eine kleine Komödie rund um Stevens hat sich im Stadion Maurice Dufrasne aufgrund der Kleidung des Salzburg-Trainers abgespielt. Das Team der Referees und UEFA-Offiziellen stieß sich daran, dass Stevens im gleichen Blau wie seine Mannschaft gekleidet war und wollte dem Coach daher ein grünes Überzieh-Leibchen verpassen. Doch das ließ Stevens nicht zu.

"Grün ziehe ich nicht an, das tu ich nicht. Ich habe einen Vertrag bei den Roten Bullen unterschrieben und nicht bei irgendeinem grünen Verein. Bei so einem Kasperltheater spiele ich nicht mit. Ich will ja nicht wie ein grüner Clown auf der Bank sitzen", berichtete Stevens, der das Shirt mit den Worten "Nein, ich will nicht aufwärmen, ich will nur meine Arbeit machen" zurückwies und sich freiwillig auf die Tribüne zurückzog.

Tumult nach Schlusspfiff?
Ein angeblicher Tumult nach Schlusspfiff, bei dem laut Lüttich-Angaben ein Mitglied des Salzburger Trainerteams den Standard-Generaldirektor Pierre Francois körperlich attackiert haben soll, sorgte für noch mehr Brisanz vor dem zweiten Match. Laut Salzburg soll Francois Stevens permanent unter der Gürtellinie beleidigt haben, nach Schlusspfiff wollte Co-Trainer Eddy Achterberg dann Francois lediglich zur Rede stellen.

Wie Stevens sieht auch sein Gegenüber Dominique D'Onofrio die Aufstiegschancen weiter völlig ausgeglichen. "Salzburg ist nicht stark, sondern sehr stark", lautete die Einschätzung von D'Onofrio nach dem ersten Teil des Duells. Verzichten müssen die Salzburger im Rückspiel auf die beiden gesperrten Defensivspieler Franz Schiemer und Christian Schwegler.

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