Sumann sorgte für die erst zweite ÖSV-Biathlon-Olympiamedaille in der Geschichte. Gold im Verfolgungsrennen ging an den Schweden Björn Ferry, Bronze sicherte sich Sprint-Olympiasieger Vincent Jay aus Frankreich. Der Salzburger Simon Eder verpasste Bronze lediglich um 2,8 Sekunden und wurde Vierter.
Massenstart-Vizeweltmeister Sumann war als Zwölfter des Sprints ins Rennen gegangen und holte mit der zweitbesten Laufleistung und insgesamt zwei Schießfehlern kontinuierlich auf. Auf den Schweden Ferry, der lediglich einmal danebenschoss, fehlten Sumann am Ende 16,5 Sekunden. "Silber - Wahnsinn, ich bin sprachlos. Ich hatte mir nicht zu große Erwartungen gesteckt, der Rückstand war eigentlich schon zu groß. Ich muss aber auch sagen - perfektes Material, der Ski war genial. Es war ein Traum, eine Medaille zu machen, jetzt geht sicher alles leichter", strahlte Sumann, der wegen Magen-Darm-Problemen angeschlagen ins Rennen gegangen war, nach seinem größten Karriereerfolg.
Trainer: "Das ist der Lohn für alle Mühen"
"Die weiteren Wettbewerbe können kommen. Für alle anderen werde ich mich zerreißen. Der große Unterschied zum Sprint war, das die Nervosität weg war. Ich brauche einfach immer ein wenig, um in ein Großereignis hineinzuwachsen", betonte der Familienvater. Natürlich war die Freude auch bei ÖSV-Trainer Reinhard Gösweiner riesig. "Ein Traum. Ich hätte nicht geglaubt, dass sich das noch ausgeht. Das ist der Lohn für alle Mühen. Ich bin einfach überglücklich", sagte Gösweiner.
Mit 34 Jahren ist "Quereinsteiger" Sumann jetzt am Ziel und erfüllte sich nach WM-Silber im Massenstart 2009 bei seinen dritten Winterspielen mit Silber in der Verfolgungs-Konkurrenz den Traum von einer Olympia-Medaille.
Enttäuschung über "Blech" bei Simon Eder
Überschwängliche Freude bei Sumann, aber Enttäuschung im Lager von Simon Eder. Der 26-jährige Salzburger belegte nach drei Fehlschüssen mit 31 Sekunden Rückstand den vierten Rang, nur knapp drei Sekunden hinter dem im Finish locker auslaufenden Jay. "Ein Treffer mehr und wir hätten eine Doppelmedaille", seufzte Trainer-Vater Alfred Eder, der am Schießstand mit seinem Sohn mitlitt.
Zwei Fehler im ersten Stehend-Anschlag warfen den Schnellschützen auf Rang acht zurück, eine weitere Strafrunde am Ende bedeutete das Ende der Hoffnungen. Denn Jay rettete nach insgesamt nur zwei Strafrunden seine zweite Medaille. Alfred Eder konnte das doppelte Pech - im Sprint war der Sohn nach fehlerfreiem Schießen an den Bedingungen gescheitert und nur Elfter geworden - nicht fassen.
Landertinger mit bester Laufzeit
Der Massenstart-Weltmeister Dominik Landertinger skatete trotz dreier Fehler mit bester Laufzeit von Rang 34 auf 14 (+1:28,3). Der Kärntner Daniel Mesotitsch wurde nach vier Fehlern 41. (+3:17,6).
Superstar Ole Einar Björndalen, der nach dem dritten Schießen schon eineinhalb Minuten aufgeholt hatte und als Dritter noch die Chance auf seine sechste Olympia-Goldmedaille hatte, fiel nach seinen zwei einzigen Fehlern am Ende auf Platz sieben zurück (+51,4), unmittelbar vor dem Sprint-Zweiten, seinem Landsmann Emil Hegle Svendsen, der mit vier Fehlern die Chance auf Gold vergab.
Erste Reaktionen auf Sumanns Silber
Reinhard Gösweiner (ÖSV-Trainer):
"Ein Traum. Ich hätte nicht geglaubt, dass sich das noch ausgeht. Wir haben gezeigt, dass wir zurückschlagen können und dass unsere Athleten sehr stark sind. Unsere Devise war es, nicht den Kopf in den Sand zu stecken, sondern nach vorne zu schauen. Das ist der Lohn für alle Mühen. Ich bin einfach überglücklich."
Dominik Landertinger (ÖSV-Teamkollege):
"Ich weiß, wie hart er gearbeitet hat und wie oft er nach Niederlagen wieder aufgestanden ist. Ich freue mich sehr für ihn."
Daniel Mesotitsch (ÖSV-Teamkollege):
"Er (Anm.: Sumann) hat es am meisten von uns allen verdient, es ist ein Traum für ihn. Nach dem Sprint ist das die perfekte Retourkutsche. Das taugt mir."
Ergebnis des Verfolgungsrennens
Rang | Name | Nation | Schießen | Endzeit | Rückstand | ||
1. | FERRY Björn | SWE | 0+0+0+1 | 33:38.4 | 0.0 | ||
2. | SUMANN Christoph | AUT | 0+0+1+1 | 33:54.9 | +16.5 | ||
3. | JAY Vincent | FRA | 0+0+1+1 | 34:06.6 | +28.2 | ||
4. | EDER Simon | AUT | 0+0+2+1 | 34:09.4 | +31.0 | ||
5. | GREIS Michael | GER | 0+0+0+1 | 34:29.6 | +51.2 | ||
6. | TCHEREZOV Ivan | RUS | 1+0+1+0 | 34:29.6 | +51.2 | ||
7. | BJÖRNDALEN Ole Einar | NOR | 0+0+0+2 | 34:29.8 | +51.4 | ||
8. | SVENDSEN Emil Hegle | NOR | 0+1+2+1 | 34:30.4 | +52.0 | ||
9. | BAUER Klemen | SLO | 1+0+2+2 | 34:33.8 | +55.4 | ||
10. | SEDNEV Serguei | UKR | 0+0+0+0 | 34:50.0 | +1:11.6 | ||
Weiter: | |||||||
14. | LANDERTINGER Dominik | AUT | 1+0+1+1 | 35:06.7 | +1:28.3 | ||
17. | HANEVOLD Halvard | NOR | 1+1+0+0 | 35:13.1 | +1:34.7 | ||
23. | BERGER Lars | NOR | 0+0+0+2 | 35:37.2 | +1:58.8 | ||
41. | MESOTITSCH Daniel | AUT | 0+0+3+1 | 36:56.0 | +3:17.6 | ||
46. | BURKE Tim | USA | 0+2+1+2 | 37:26.8 | +3:48.4 |
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