30.01.2019 10:30 |

„Krone“-Check

Tram legt Fehlstart hin: Halbe Stadt in Aufruhr

Nervöse Blicke auf die Uhr konnten in den letzten Tagen in Innsbruck besonders oft beobachtet werden, denn: Die neuen Tram-Linien 2 und 5 kamen häufig verspätet. Falsch programmierte Ampeln, geparkte Autos und Schnee sind die Hauptursachen. Auch der „Krone-Check“ bestätigt: Die Bahn braucht länger als der Bus.

„Krone“-Redakteur Andreas Moser pendelte in elf Minuten mit dem Bus 502 vom Terminal Marktplatz bis zum VOWA-Autohaus am Schusterbergweg. Seine Kollegin nahm die Bahn und brauchte für dieselbe Strecke doppelt so lange – inklusive fünf Minuten Verspätung. Dabei hatte sie Glück, das Internet zeigte bei den folgenden Trams deutlich mehr Verspätung an: Zehn bis 15 Minuten waren keine Seltenheit.

Öffi-Nutzer verärgert
„Dienstagfrüh kam zuerst 20 Minuten gar keine Bahn, dann sind vier auf einmal gekommen. Die erste war natürlich gerammelt voll, die hinteren dagegen leer“, berichtet eine Passantin. Verkehrs-Stadträtin Uschi Schwarzl gelobt Besserung und bittet um Entschuldigung: „Wir arbeiten jetzt auf Hochtouren an der raschen Behebung der noch fehlerhaften Ampelschaltungen und an der Schneeräumung aller Haltestellen.“ Man hofft, „die gröbsten Probleme an den fünf überlasteten Kreuzungen in den nächsten Tagen beheben zu können“. Damit Autos in Zukunft nicht mehr so nahe an den Schienen parken, „werden Schrägparkplätze an Schienen den Längsparkplätzen weichen müssen.“

Die längeren Fahrzeiten der O-Dorf Bewohner ins Zentrum – die Straßenbahn fährt auch den Leipziger Platz an (siehe Grafik) – und längere Intervalle führten zusätzlich zu zahlreichen Beschwerden. „Nach einer Beobachtungsphase werden wir im Frühjahr alle Öffi-Nutzer einladen, um Änderungsvorschläge zu diskutieren“, erklärt Schwarzl.

Trams nicht geliefert
Die Trams für die neuen Straßenbahnlinien 2 und 5 wurden bis dato nicht vollständig geliefert. Deshalb fahren dort die alten Wagons der 1er und 3er Linie – diese wurden auf Schienenersatzverkehr umgestellt.

Schwarzl holte am Dienstag alle Verantwortlichen von IVB und Stadt Innsbruck zu einer Krisensitzung zusammen. Mit der Behebung der nicht optimalen Programmierung könnten die gröbsten Probleme an fünf überlasteten Kreuzungen in wenigen Tagen behoben werden. Am Montag habe ein Pkw-Unfall in der Reichenau für einen Tram-Stau gesorgt. Die FPÖ forderte Rücktritte: Schwarzl und auch IVB-Chef Martin Baltes seien nicht länger tragbar. VP-GR Mariella Lutz forderte einen Runden Tisch zu den Tram-Problemen. Ein monatelanges Provisorium sei den Fahrgästen nicht zumutbar.

Daten und Fakten 

  • Bauzeit: 8 Jahre
  • Kosten: 396,72 Millionen Euro (inklusive Wertsicherung bis 2020)
  • Finanzierung: 1/3 Land; 2/3 Stadt
  • Kapazität: Im Bus konnten 110 Fahrgäste transportiert werden, in der Tram 160. Wenn zwei zusammengehängt werden, sogar 320
  • Neu verlegte Schienen: knapp 12 Kilometer
  • Zukunftspläne: die Linie 5 soll bis 2023 von Völs bis Rum zur Regionalbahn ausgebaut werden
  • Umwelt: die Straßenbahn ist leiser und umweltfreundlicher als der Bus: sie wird mit Strom aus Tirol betrieben
  • Nachfrage: 2018 hatten die Innsbrucker Verkehrsbetriebe 67,8 Millionen Fahrgäste. Das ist eine Steigerung um 9,9 Prozent zum Vorjahr

Lea Singer und Philipp Neuner, Kronen Zeitung

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