05.01.2019 15:30 |

10.000 Tiroler Kinder

Sie folgen dem Stern und brechen Rekorde

10.000 Tiroler Mädchen und Buben sind dieser Tage als Sternsinger unterwegs. Bei Wind und Wetter, mit viel Enthusiasmus! Die „Krone“ machte sich in Matrei am Brenner auf die Suche nach dem Stern, der die Kinder digitale Spielereien vergessen lässt und sie zu Marathonläufern für eine bessere Welt macht.

8.30 Uhr. Jugendzentrum Matrei. Kronen, überall Kronen und bunte Mäntel. Der königliche Kleiderschrank ist riesig in der Wipptaler Pfarre. Eine Notwendigkeit. Denn hier wimmelt es nur so von Sternsingern. Mehr als 160 Mädchen, Buben und erwachsene Begleiter rücken in der knapp 1000-Seelen-Gemeinde aus, um den Segen Gottes und die Botschaft von der Geburt Jesu in alle Häuser zu tragen. Und mit alle ist hier wirklich jedes Haus gemeint. „Wir versuchen es bis zu dreimal, wenn jemand gerade nicht daheim ist“, beschreibt Thomas Diregger die Vorgabe.

Seit vielen Jahren koordiniert Diregger den heiligen Haufen. Er kann sich noch gut an die Zeiten erinnern, in denen der Nachwuchs wenig Verlangen verspürte, mit einer Krone am Kopf durch den Schnee zu stapfen, Weihrauch zu schwenken und Lieder zu trällern, die es bestimmt nie in die Hitparade schaffen werden.

Teil der größten Hilfsaktion ihrer Art
In Matrei hat man es geschafft, dass die Kinder das Sternsingen wieder als cool wahrnehmen. Die königlichen Botschafter unternehmen gemeinsam Ausflüge, veranstalten unterm Jahr Feste, bekommen Ehrenurkunden und – was Diregger wichtig ist – wissen alles rund um ihre Mission. Schließlich sind sie Teil der größten österreichischen Hilfsaktion für Menschen in Entwicklungsländern. Im gesamten Bundesgebiet sind 85.000 Sternsinger unterwegs, allein in Tirol 10.000.

„Es freut mich, wenn andere sich freuen“
Wir fragen drei Könige, warum sie bei Minusgraden ganz freiwillig zu Fuß losziehen. „Weil ich anderen Menschen helfen will“, hören wir von Sophia (8) eine sehr erwachsene Antwort. Das Mädchen gehört zu den kleinsten Sternsingern von Matrei. Dass auch ihre Freundinnen dabei sind, dürfte ihre Entscheidung wohl wesentlich beeinflusst haben. Niklas (14) ist in einem Alter, in dem eigentlich ganz andere Freizeitbeschäftigungen angesagt sind: „Für mich ist es ein Firmprojekt. Aber es macht auch viel Spaß. Hab’ auch meinen Freund überredet mitzumachen. Es ist lustig, wenn so viele beisammen sind.“ Zwischen Sophia und Niklas steht Anna-Maria. Die 13-Jährige bringt ein Argument vor, dem auch die anderen beiden nickend beipflichten: „Es macht einfach Freude, wenn sich andere über unseren Besuch freuen. Vor allem ältere Menschen sind immer sehr begeistert.“

Zehnmal rund um die Erde wandern
Zwischen Schönberg und Steinach schwärmen die Matreier Könige in alle Richtungen aus – bis an die Grenze von Ellbögen, bis Navis und Richtung Maria Waldrast. Das Pfarrgebiet reicht über das Gemeindegebiet hinaus. Es geht über Berg und Tal. Viel zu Fuß, aber auch mit dem Auto. Da rückt der Feuerwehrkommandant schon einmal mit dem Geländefahrzeug aus, um für die Könige „Taxi Royal“ zu spielen. Die Katholische Jungschar – die die Dreikönigsaktion trägt – hat errechnet, dass die 85.000 Sternsinger in den Weihnachtsfeiertagen 420.000 Kilometer zurücklegen. Umgerechnet umrunden sie damit zehnmal die Erde!

So viele Spenden wie nie zuvor
Der Einsatz der Kinder in Matrei und allen anderen Dörfern lohnt sich. Rund 500 Hilfsprojekte können jedes Jahr mit den Spenden unterstützt werden. Im Vorjahr wurde österreichweit mit 17,5 Millionen Euro ein neuer Spendenrekord erzielt. Bei der Auswahl der Hilfsprojekte hat die Jungschar aktuelle Entwicklungen im Blick. Heuer gilt ein Schwerpunkt Menschen auf den Philippinen, die die Folgen des Klimawandels bereits auf dramatische Weise spüren, deren Existenzgrundlage durch Dürre und Überflutungen zerstört ist.

Tiris begleitet die Matreier Kinder
Auch die Matreier Kinder haben den Ehrgeiz, viele Spenden zu sammeln. Im Jugendzentrum hängt ein Schild mit dem aktuellen Zwischenstand – eine kleine Motivationshilfe. Die Kinder sind jetzt fertig angezogen und geschminkt. Sie warten auf den Startschuss. Die erwachsenen Begleiter haben noch Lagebesprechung. Thomas Diregger teilt detailreiche Ortspläne des geografischen Informationssystems des Landes Tirol – kurz Tiris – aus. Damit den Sternsingern kein Haus entgeht. Nach dem Besuch wird abgehakt – oder vermerkt, dass die Könige am Nachmittag noch einmal vorbeischauen müssen.

Claudia Thurner
Claudia Thurner
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