16.12.2018 15:10 |

Steirerin klagt:

„So wird der Pflegenotstand sicher nicht behoben“

Die Steirer werden immer älter, der Bedarf an Betreuung wächst. Aber nicht immer wird es jenen, die sich zu Pflegern ausbilden lassen möchten, leicht gemacht. Das Beispiel einer Kapfenbergerin zeigt, dass engagierte, arbeitswillige Landsleute mitunter allein im Regen stehen. Die Frau, die sich für eine Ausbildung angemeldet hat, klagt über mangelnde Flexibilität und finanzielle Not.

21.000 Steirer sorgen beruflich für jene Landsleute, die es nicht (mehr) alleine durchs Leben schaffen. Eine hohe Zahl, die mit dem Altersschnitt noch wächst. Und das Ende des Pflegeregresses sorgt für Engpässe: 400 Pflegeassistenten und 70 Heimhilfen fehlen akut.

Ausbildung ohne Stipendium unleistbar
Deshalb gründeten Land Steiermark, AMS und Pflegeanbieter heuer eine Stiftung: 500 Steirer bekommen für die Dauer der Pflege-Ausbildung nicht nur ihr AMS-Geld weiter, sondern auch ein Extra-Stipendium von 120 Euro im Monat.

Ein toller Ansatz, berichtet „Krone“-Leserin Anna A. (Name d. Red. bekannt): „Die Ausbildung kostet normal 4300 Euro. Für mich eine utopische Summe, und ich kenne mehrere Frauen, die Interesse hätten, aber sich das niemals leisten könnten. Dabei ist immer von Pflegenotstand die Rede.“

Kurs weit weg von daheim
Wie dem auch sei: Frau A. bekam einen Platz in der Stiftung - und freute sich. Als alleinerziehende Mutter war sie auch erleichtert, die Schulung daheim in Kapfenberg machen zu können. Aber genau da legt sich die Bürokratie quer: Der theoretische Teil der Schulung, der sie zugeteilt wurde, findet nämlich doch in Knittelfeld statt. „Das sind 120 Kilometer am Tag, ohne Auto kaum zu schaffen. Mit Bus und Bahn wären das hin und retour vier Stunden.“

Mit zwei Euro Fahrtkostenersatz komme sie auch nicht weit, sagt Frau A., die im Monat weniger als 800 Euro vom AMS erhält. Selbst mit den 120 Euro extra von der Stiftung reiche es für sie und ihre Tochter kaum zum Leben. Auf ihren Wunsch, den Kurs beim nächsten Termin in Kapfenberg zu beginnen, wurde ihr gedroht, aus dem Stiftungs-Programm zu fallen. Ihr Fazit: „So wird der Pflegenotstand sicher nicht behoben.“

AMS könnte Flexibiliät zeigen
Geschäftsführer Franz Halper von der für die Kurse zuständigen WOF GmbH bedauert: „Ich bin der Letzte, der jemanden an der Ausbildung hindert. Die Dame soll sich ans AMS wenden und um Aufschub bitten. Für ihre Tochter könnte sie dort auch eine Aufsichtshilfe beantragen.“

Matthias Wagner
Matthias Wagner
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