25.01.2010 22:53 |

Libanon-Absturz

Pilot der Maschine ignorierte Tower-Anweisung

Eine Armada von Schiffen, Flugzeugen und Hubschraubern hat am Montag nach Überlebenden des Flugzeugabsturzes vor der Küste des Libanon gesucht. Vermutlich sind aber alle 90 Passagiere ums Leben gekommen. Die Boeing 737 der Ethiopian Airlines war vier Minuten nach dem Start in Beirut bei schlechtem Wetter ins Mittelmeer gestürzt. Nach Angaben des libanesischen Verteidigungsministers Elias Murr hat der Pilot der Unglücksmaschine vor dem Unglück die letzten Instruktionen des Towers ignoriert.

Der Kontrollturm in Beirut habe den Piloten der Ethiopian Airlines wegen eines Sturms zur Umkehr aufgefordert, stattdessen sei die Maschine in die entgegengesetzte Richtung weitergeflogen, sagte Murr im libanesischen Fernsehen. "Wir wissen nicht, was passiert ist und ob der Pilot das Flugzeug noch unter Kontrolle hatte", fügte der Minister hinzu.

Funkkontakt riss kurz nach Start ab
"Für uns ist natürlich das Wichtigste, Überlebende zu finden", sagte der libanesische Ministerpräsident Saad Hariri bei einer Pressekonferenz. Nach Angaben der Fluggesellschaft Ethiopian Airlines befanden sich 82 Passagiere und acht Besatzungsmitglieder an Bord. Darunter war nach Angaben eines libanesischen Regierungssprechers auch die Ehefrau des französischen Botschafters im Libanon. "Der Funkkontakt zwischen Tower und Piloten riss kurz nach dem Start unvermittelt ab", sagte Verkehrsminister Ghazi Aridi. Die Maschine war auf dem Weg in die äthiopische Hauptstadt Addis Abeba.

"Schlechtes Wetter war offenbar die Ursache des Absturzes", sagte Verteidigungsminister Elias Murr. Zum Zeitpunkt des Starts regnete und stürmte es über der Stadt. Augenzeugen sprachen davon, dass sie einen Feuerball gesehen hätten. Ein Anschlag gilt jedoch als unwahrscheinlich. "Wenn es eine Explosion gibt, dann bleibt von dem Jet nichts übrig", sagte Murr. Die Rettungskräfte hätten aber schon Teile des Flugzeugs gefunden. Bis zum Nachmittag wurden 24 Tote geborgen, Hinweise auf Überlebende gab es nicht. "Wir setzen die Suchaktion fort, in der Hoffnung, Überlebende zu finden", sagte Murr.

Deutsche und italienische Marine sucht nach Überlebenden
Bei der Suchaktion vor der Küste übernahm das deutsche Versorgungsschiff "Mosel" die Koordinierung. Das Boot stimme die Suche mit der libanesischen Marine, dem deutschen Minensuchboot "Laboe" und mehreren Hubschraubern ab, teilte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos in Potsdam mit. An der Suche beteiligte sich ein Hubschrauber der italienischen Fregatte "Zeffiro", die sich in Beirut befindet, sowie ein libanesischer Polizeihubschrauber. Die UNIFIL-Mission war 2006 vom UN-Sicherheitsrat beschlossen worden und soll vor allem Waffenschmuggel in das Land unterbinden.

Am Flughafen von Beirut versammelten sich schockierte Angehörige, die auf Neuigkeiten warteten. Ministerpräsident Hariri kam zum Flughafen, um den Angehörigen sein Mitgefühl auszusprechen. Er ordnete für Montag Staatstrauer an. Auch in Äthiopien wurde der Montag zum Trauertag erklärt.

Ethiopian Airlines hatte guten Ruf
In Sachen Sicherheit hat Ethiopian Airlines einen guten Ruf und gehört neben South African Airways und Kenya Airways zu den drei größten Flugunternehmen Afrikas. Anfang Jänner musste eine Boeing 757 der Linie in Malta notlanden. Andere Zwischenfälle liegen weit zurück: Im November 1996 wurde eine Maschine auf dem Weg von Addis Abeba nach Nairobi von Luftpiraten entführt. Sie stürzte wegen Treibstoffmangels vor den Komoren ins Meer, 125 der 175 Menschen an Bord starben. Im September 1988 war eine Boeing 737 in Äthiopien abgestürzt, 31 der 105 Menschen an Bord starben.

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