Unfassbar scheint diese Bluttat in Kärnten. Völlig grundlos wurden bei einem Krampusfest im Mölltal beinahe zwei junge Menschenleben zerstört. Ein 22-Jähriger soll wortlos mit einem Steakmesser einem willkürlichen Opfer ins Gesicht gestochen haben – ohne Motiv, ohne Erklärung. Die findet sich auch beim Mordprozess in Klagenfurt nicht.
„Ich kann mich an nichts erinnern“, beteuert der 22-Jährige vor Richterin Sabine Götz. Er wisse nur noch, dass er mit der Freundin endlich einmal wieder habe fortgehen wollen, Bier und Spritzer getrunken habe. Und dann Filmriss. Erst als ihn die Polizei aus dem Bett geholt hatte, setzten die Erinnerungen wieder ein.
Kann das sein? Die Tat an sich durch Zeugen und sogar Videoaufzeichnungen geklärt. Der junge Kärntner – er wohnt noch bei seinen Eltern, hat einen guten Job und gilt als freundlich und hilfsbereit – war nach einer kleinen Rangelei auf einem Brauchtumsfest wütend nach Hause gestürmt. Um dann mit einem Steakmesser zurückzukehren.
Der Erstbeste, der ihm dabei über den Weg lief, war ein 21-Jähriger, der die Veranstaltung gerade verlassen wollte. „Ich habe nichts mitbekommen, eine Freundin schrie, Pass auf, dann hat es schon weh getan“, schildert das Opfer. Denn der Angeklagte hatte ohne jede Vorwarnung und ohne ein Wort auf ihn eingestochen. „Mehrfach und heftig, ins Gesicht, so dass die Klinge abbrach“, schildert Staatsanwältin Sandra Agnoli. „Gesichtsnerven wurden durchtrennt, sogar Knochen.“
Vergleiche mit einem Amoklauf drängen sich auf. „Ich hatte Angst, dass er auch auf mich losgeht; ich habe gebetet“, erzählt eine Schülerin, die sich hinter einem Auto versteckt hatte. „Er hatte so einen starren Blick.“ Nach der unerklärlichen Messerattacke floh der Mölltaler, sein Vater fand ihn und brachte ihn heim: „Er war wir hypnotisiert“, schildert der Papa. „Völlig weggetreten.“
Angeklagt ist Mordversuch
Doch der Alkotest ergab kurz nach der Tat 1,7 Promille. Kein Wert, der jemanden so zum Ausrasten bringen sollte, wie auch der psychiatrische Sachverständige Peter Hofmann festgestellt hat. Er hält den jungen Mann für zurechnungsfähig. Anders sieht es Verteidiger Christof Kempf, der auf eine „Straftat im Zustand voller Berauschung“ hinaus will. Wie es die Geschworenen sehen, wird sich noch zeigen.
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