Vertrauen in Gefahr

IHS-Chef warnt: „Staat liefert nicht mehr“

Wirtschaft
14.01.2026 19:00

Ein Hoffnungsschimmer für 2026 – aber keine Entwarnung: IHS-Direktor Holger Bonin erwartet zwar eine leichte wirtschaftliche Erholung, warnt aber vor großen Risiken wie geopolitischen Spannungen und einer erratischen US-Politik. Gleichzeitig sieht er auch in Österreich Reformdruck – weil viele Menschen trotz hoher Abgaben das Gefühl haben, „der Staat liefert nicht mehr“. Sein Fazit: „Der Aufschwung steht auf tönernen Füßen.“

„Die Zeichen stehen wieder etwas mehr auf Grün“, sagt Bonin im Gespräch. Sowohl die Stimmung der Konsumenten als auch jene der Unternehmen habe sich aufgehellt. Auch das weltwirtschaftliche Umfeld sei etwas günstiger als in den vergangenen Jahren. Wenn keine neuen Schocks auftreten, sei 2026 ein Aufschwung zu erwarten.

Doch Bonin betont: „Das kann ganz leicht wieder schlechter ausgehen.“ Die Risiken rund um globale Konflikte, Handelsbrüche und politische Unsicherheit seien enorm.

„Recht des Stärkeren setzt sich wieder durch“
Besonders kritisch blickt der Ökonom in Richtung USA. Dort beobachtet er nicht nur politische Instabilität, sondern auch eine wachsende Bedrohung für die internationale Ordnung: „Die Weltordnung geht verloren – das Recht des Stärkeren setzt sich wieder durch.“ Bonin warnt außerdem davor, dass internationale Handelsabkommen zunehmend zerbrechen könnten. Dazu komme ein weiterer Faktor: die wachsende Macht von Digitalgiganten, die immer öfter Aufgaben übernehmen wollen, die früher der Staat erfüllt hat.

Europa „stärker als gedacht“ – aber nicht einig genug
Ganz so ohnmächtig, wie sich Europa derzeit fühlt, sei es laut Bonin nicht: „Europa ist stärker, als wir denken.“ Allerdings fehle es an Einigkeit und Tempo. Die EU müsse dringend weiterentwickelt werden – politisch und wirtschaftlich.

Bonin nennt konkret Baustellen wie eine echte Energieunion oder eine Kapitalmarktunion. Konzepte dazu seien längst bekannt, umgesetzt werde jedoch zu wenig: „Die Konzepte liegen auf dem Tisch – aber wir schaffen es im Moment nicht.“

Holger Bonin, Leiter des Instituts für Höhere Studien im krone.tv-Talk
Holger Bonin, Leiter des Instituts für Höhere Studien im krone.tv-Talk(Bild: krone.tv )

Unternehmen können auch im Aufschwung pleitegehen
Auch wenn die wirtschaftliche Lage 2026 insgesamt wieder etwas freundlicher aussieht, heißt das laut Bonin nicht automatisch, dass es überall bergauf geht. Selbst im Aufschwung kann es Jobverluste und Insolvenzen geben.

Als Beispiel nennt er den Fall KTM, wo Arbeitsplätze abgebaut werden. Ein zentraler Punkt: Österreich dürfe sich nicht nur an kurzfristigen Konjunkturdaten orientieren – sondern müsse dringend über die langfristige Entwicklung sprechen.

Denn hier sieht Bonin große Gefahr: „Die langfristigen Wachstumsaussichten sind schwach – unter einem Prozent.“ Wenn dann „ganz wenig schiefgeht“, könne Österreich rasch bei Nullwachstum oder sogar im Minus landen.

„Staatsversagen“-Gefühl wächst
In einem Buchbeitrag („Wie wir leben wollen – Visionen für eine bessere Welt“) beschäftigt sich Bonin mit einem heiklen Thema: der wachsenden Wahrnehmung, dass der Staat nicht mehr funktioniert. Die Menschen würden spüren, dass sie in einem Hochsteuerland leben – aber nicht die Leistungen bekommen, die sie erwarten: „Man zahlt relativ viel Steuern und Abgaben – und der Staat liefert nicht.“

Am deutlichsten sei das aktuell im Gesundheitswesen: Arzttermine seien schwer zu bekommen, Spitäler überlastet, Patienten würden durch das System „hin- und hergeschickt“. Ähnlich sieht Bonin Probleme im Bildungsbereich: Österreich gebe viel Geld aus, erziele aber im internationalen Vergleich oft zu wenig.

Das ganze Interview mit IHS-Chef Holger Bonin sehen Sie im Video oben!

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