13.11.2018 13:33 |

Golfausflug in Spanien

Privatflug auf Telekom-Kosten nach Terroranschlag

Ein Golfausflug nach Spanien hat am Dienstag Richterin Marion Hohenecker im Telekom-Strafprozess gegen Ex-Lobbyist Peter Hochegger, Ex-FPÖ-Politiker Walter Meischberger und Ex-Telekom-Vorstand Rudolf Fischer beschäftigt. Wegen des geplanten Baus eines Golfplatzes in Wien, den die Telekom mitsponsern hätte können, reisten Meischberger und Fischer gemeinsam mit dem damaligen Finanzminister Karl-Heinz Grasser und dem Immobilienmakler Ernst Karl Plech nach San Sebastian, um auszuloten, was in Wien möglich wäre. Während die Hinflüge auf eigene Kosten per Linienflug erfolgten, saßen die Beteiligten auf dem Rückflug in einem Privatjet - auf Kosten der Telekom.

Die Rechnung in Höhe von 11.940 Euro wurde jedoch nicht von Fischer an die Telekom gestellt, sondern von Meischbergers Gesellschaft „ZehnVierzig“ an die Hochegger-Firma Valora, die sie mit Telekom-Geld beglich. „Warum?“, wollte die Richterin wissen. Das sei „eher passiert“ und „vielleicht unglücklich“ gewesen, so Fischer. Interessant ist der von Fischer geschilderte Grund, warum die Gruppe zum Privatflugzeug griff: Während der Golfreise sei es am Freitagnachmittag zu einem verheerenden Terroranschlag in Madrid gekommen.

Meischberger ließ Kontakte spielen
Fischer begründete den Not-Flug am Dienstag damit, dass er am Montag als technischer Vorstand wieder in der Telekom-Zentrale sein habe wollen, da aus Erfahrung bekannt gewesen sei, dass nach Terroranschlägen die Telekommunikationsnetze besonders stark belastet seien. Daher habe er Meischberger gebeten, seine Kontakte zu nutzen, um einen Privatjet zu organisieren. Abgesprochen habe er dies mit der Telekom nicht. Tatsächlich detonierten in den frühen Morgenstunden des 11. März 2004 in vier Vorortezügen zehn Bomben. Der verheerende Anschlag forderte 192 Tote.

„Politische Landschaftspflege“
Der ehemalige Telekom-Vorstand betonte am Dienstag vor Gericht, dass durch die Zahlungen an FPÖ, ÖVP und SPÖ seinem Unternehmen kein Schaden entstanden sei. Vielmehr hätten diese „sehr geholfen“. Es sei auch nicht so gewesen, dass das Unternehmen an eine Partei herangetreten sei und gemeint hätte: „Jetzt geben wir dir 100.000 Euro, damit du die Telekom bevorzugst.“ Es sei immer umgekehrt gelaufen: Die „Begehrlichkeiten“ seien von Politik gekommen, die Telekom habe dann durch Zahlungen „politische Landschaftspflege“ betrieben und dadurch ein besseres Gesprächsverhältnis zu den Entscheidungsträgern gehabt.

Minister wollte Sponsoring für Hühner-Weitflug-Meisterschaft
Über einen skurrilen Sponsoring-Wunsch wusste Fischer ebenfalls zu berichten. So sagte der Angeklagte, dass ein Minister im Jahr 2002 zu ihm gekommen sei mit der Bitte, eine Hühner-Weitflug-Meisterschaft zu sponsern. Er habe abgelehnt. Hohenecker, die sonst emotionslos die Verhandlung führt, konnte sich ob der weitfliegenden Hühner nicht des Lachens erwehren und musste sich kurz die Lachtränen wegwischen.

Das Telekom-Valora-Verfahren ist Teil der weit komplexeren Hauptverhandlung zum Korruptionsverdacht bei der Privatisierung der Buwog und der Einmietung der Finanzbehörden in den Terminal Tower in Linz. Die beiden Verfahren pausieren derzeit, daher dürfen Grasser und mehrere andere Angeklagte bis auf Weiteres dem Gerichtssaal fernbleiben.

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