25.10.2018 06:00 |

Nationalpark Gesäuse

Die wilde Brunft der Gamsböcke

Schon hat der Schnee das Gesäuse angezuckert, und mit dem ersten Frost beginnt in den steilen Hängen die Brunft der Gamsböcke. Der Nationalpark bietet jetzt geführte Touren, auf denen man dem Wild bei seinem wilden Treiben zuschauen kann. Dabei ist höchste Rücksicht auf die Tiere gefragt, die durch Mensch und Klimawandel zunehmend in Bedrängnis geraten.

„Der Lebensraum des Gamswilds schrumpft, auch bei uns im Gesäuse“, muss Nationalpark-Chef Herbert Wölger der „Steirerkrone“ berichten. Die Ursache liege gleich doppelt beim Menschen: „Erstens wandert der Wald durch den Klimawandel immer höher, so dass der Bereich zwischen Bäumen und Fels enger wird. Zweitens kommen mehr Menschen in diese Almzone, in der Gämse daheim sind.“

Alarmstufe rot? Gott sei Dank nicht. Rund 400 Stück zählt der Bestand an Gamswild derzeit - für die Naturschützer ein guter Wert. In einzelnen Bereichen, wo Nationalpark-Mitarbeiter alte Fichtenkulturen mit Mischwald aufforsten, muss die Zahl sogar von Jägern kontrolliert werden, damit das Wild nicht alle jungen Bäume verbeißt. Rund 20 Abschüsse gibt es dort pro Jahr.

Stressfaktor Mensch
Was die Tiere sonst bedroht: Steinschlag und Lawinen. „Manchmal finden wir im Frühjahr ganze Rudel, die vom Schnee erfasst worden sind“, erzählt Wölger. Und natürlich setzt der Stress-Faktor Mensch dem Wild gerade im Winter zu. „Man darf nicht vergessen: Ein Skitourengeher kommt am Abend heim und isst sein Schnitzel. Der Gams sitzt in der Kälte und hat schon wieder nichts gefressen. Die Tiere machen im Winter eine harte Zeit fast ohne Nahrung durch, da wirkt sich jede Störung aus.“

Auf den geführten Touren, die der Nationalpark bietet, darf man unbesorgt sein, so Wölger: „Die Jäger kennen das Gesäuse wie ihre Westentasche. Und sie reagieren, wenn sich der Wind dreht.“ Was man an Ausrüstung braucht, um das Spektakel der brunftig über die Felsen jagenden Gamsböcke zu genießen? „Feste Schuhe und ein warmes G’wand. Ferngläser gibt’s bei uns.“

Tourenbuchung: Infobüro Admont, 03613/211 60 20 sowie auf www.nationalpark.co.at

Matthias Wagner
Matthias Wagner
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