14.10.2018 17:02 |

Theaterpremiere

„Aufwachen“: Der digitale Krieg hat begonnen

Das umtriebige steirische Performance-Kollektiv Planetenparty Prinzip hat die Social-Media-Strategien der „Neuen Rechten“ zum Thema des zweiten Teils ihrer Bürgerkriegs-Trilogie auserkoren, der ab jetzt in Graz zu sehen ist. Das „Aufwachen“ der vier jungen Darstellerinnen sollte man nicht verpassen.

Das Internet ist das neue Schlachtfeld. Das haben „linksextreme Informationsnetzwerke“ wie Wikipedia längst kapiert, nun wagen sich auch die Aluhut-Träger (in diesem Fall: Trägerinnen) vor die Kameralinse. Auf ihrem Youtube-Kanal zeigen sie, wie man den Gegner im Nahkampf neutralisiert („Wer ka Messer mithot, der is söwa schuid“), wie man verdrecktes Wasser zu sich nimmt (oral oder doch anal?) und warum der Feminismus die Mutterinstinkte einer Generation ausgelöscht hat.

Schminke statt Panzerung
Bald müssen sich Nora Winkler, Victoria Fux und Miriam Schmid aber von den gruseligen schwarzen Schnabel-Masken und der Panzerung verabschieden, denn um die Massen zu mobilisieren, braucht es geglättete Haare und ein hübsch geschminktes Gesicht. Vor der Liebeserklärung an Putin knöpft man die Bluse noch ein bisschen weiter auf.

So weit, so radikal. Wirklich verrückt wird es aber erst am Schluss: Die Vierte im Bunde, Nora Köhler, mausert sich von der unsichtbaren Tarn-Expertin im schwarzen Baum zum Augenpaar am Greenscreen und schließlich zur magischen Sektenführerin.

Die Ironie liegt im Detail
Die Planeten und Regisseur Simon Windisch haben bei „Aufwachen“ alles richtig gemacht. Es strotzt vor schwarzem Humor, die Ironie liegt im Detail: Das Glätteisen hat ein Camouflage-Muster, beim „Wer bin ich?“-Spielen im Sommercamp müssen „Kreuzritter“ und „Ausländer“ erraten werden. Stücke wie diese lassen mit Freude in die Zukunft der Grazer Theaterszene blicken. Bitte mehr davon!

Infos zum Stück finden Sie hier

Hannah Michaeler

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