Sa, 17. November 2018

Schauspielhaus Graz:

13.10.2018 14:37

Talentprobe der Studenten

Sie sind die „guten Geister“ so mancher wohlstandsverwahrlosten Familie: Au-pairs aus dem Osten stehen im Zentrum von Felicia Zellers Stück „Gespräche mit Astronauten“, das im Grazer Schauspielhaus seine österreichische Erstaufführung feiert. Auf der Bühne steht ein erstklassiges Ensemble an Studierenden der Kunstuniversität.

Olga und Irina träumen davon, es im Westen zu schaffen. Doch als Au-pairs landen sie auf einer Matratze im Keller einer Traumvilla, wo sie den Haushalt organisieren und die wohlstandsverwahrlosten Kinder hüten. Ein eigenes Leben steht den „Perlen der Familie“ ebenso wenig zu wie faire Bezahlung: Stattdessen werden sie mit all dem abgespeist, was im feinen Haushalt ohnehin aussortiert würde.

Auf sehr pointierte Weise zeichnet Zeller Au-pairs als den Teil eines globalen Ausbeutungssystems, den wir als europäische Wohlstandsgesellschaft am nächsten an uns heranlassen - und der doch nie Teil der Familie wird. Vielmehr werden sie, wie Moïra Gilliéron mit ihrem Bühnenbild andeutet, Teil der Einrichtung. Wohl nicht zufällig sind die Einteiler der Darsteller Ton in Ton mit dem Teppich, den man jederzeit verschieben (abschieben?) kann.

Sprachspielerei
Sprachlich arbeitet Zeller mit pointierten Auslassungen und Verzerrungen - so wird etwa Deutschland zu Knautschland, und die Au-pairs kommen aus Ländern wie Mogelei, Ukulele oder Würgistan. Das Resultat ist eine sprachliche Oberfläche, auf der sich die Welt von Arbeit, Haus und Kindern zu einem babylonischen Mix von gewollten und ungewollten Missverständnissen fügt.

Rasante Gesellschaftskomödie
Regisseurin Suna Gürler bringt die bissige, bewusst mit Klischees spielende Gesellschaftskomödie in rasanter Taktung auf die Bühne und hat die jungen Darsteller des Instituts für Schauspiel an der Kunstuni Graz - Alida Bohnen, Berna Celebi, Sandra Katharina Eilks, Thilo Langer, Max Ranft, Annou Reiners, Lukas Schmidt, Viet Anh Alexander Tran - dafür zu einem erstklassig kooperierenden Theaterorganismus gefügt, dem man gerne zusieht

Christoph Hartner
Christoph Hartner

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