Mi, 21. November 2018

Kinga Tóth:

15.09.2018 06:00

Neue Stadtschreiberin in der Murmetropole

Sie schreibt Gedichte, die sie selbst illustriert und live performt, tritt als Musikerin auf und sammelt Klänge, die sie zu Soundcollagen verarbeitet. Die Ungarin Kinga Tóth ist ein künstlerischer Tausendsassa - und die neue Grazer Stadtschreiberin. In dieser Funktion eröffnet sie am 17. September auch die Saison im Literaturhaus.

„Ich hatte jetzt lange Zeit kein Zuhause mehr, es ist schön, dass ich hier in meinem Turm am Schlossberg zur Ruhe kommen kann“, sagt Kinga Tóth. Seit fast vier Jahren ist die ungarische Künstlerin nun schon auf Tour. Doch es war nicht nur ihre künstlerische Neugier, die für dieses Nomadentum verantwortlich ist.

Keine „brave“ Staatskünstlerin
Mit der Politik in ihrer Heimat ist sie mehr als unzufrieden: „Auch wir als Künstler erleben eine sehr subtile Form der Unterdrückung. Theoretisch hat man zwar die Freiheit, zu machen was man will. Aber wenn man sich nicht brav dem System fügt, bekommt man nur sehr wenige Möglichkeit tatsächlich zu arbeiten“, erzählt sie. Und mit ihrer Tendenz, auf spielerische Weise, den Status Quo zu hinterfragen und untergraben, zu zerstückeln und neu zusammenzufügen, bietet sie sich nicht gerade als „brave“ Staatskünstlerin an.

Große Vielseitigkeit
Das besondere an ihrer Arbeit, ist die Vielseitigkeit: „Sprache steht für mich im Zentrum. Aber Sprache ist so viel mehr als nur das geschriebene Wort. Literatur ist für mich ein körperliches Medium.“ Sie schreibt die Texte nicht nur, sie performt sie, illustriert sie, bringt sie mit ihrer Band in Form von Musik auf die Bühne - all das übrigens in drei Sprachen: Ungarisch, Englisch und Deutsch. „Ich bin interessiert jene Formen zu erkunden, in denen verschiedene Kulturen, Sprachen und Kunstsparten aufeinandertreffen“, sagt sie.

In Graz ist Tóth keine Unbekannte, hat sowohl in den „manuskripten“ als auch den „Lichtungen“ Texte veröffentlich und war zuletzt auch für das „Crowd“-Literatursymposium hier. „Im Forum Stadtpark habe ich auch ein Projekt mit Kindern mit Migrationshintergrund gemacht, in dem wir ihre kleinen Sprachfehler gesammelt und zu Klangcollagen verarbeitet haben.“

Der Klang der neuen Heimat
Tóth ist vom Klang ihrer neuen Heimat begeistert: „Kirchenglocken, Harmonikaspieler und Straßenbahnen - als Soundkünstler bin ich hier im Paradies“, beschreibt sie ihren ersten Eindruck von Graz. Aktuell ist sie etwa auch beim „Aufsteirern“ unterwegs und sammelt Klänge: „Die Volksmusik hat eine ganz eigene Art Geschichten zu erzählen, das interessiert mich.“

Pläne für Zeit in Graz
Was sie mit diesen Grazer Klängen machen will, weiß sie noch nicht. Aber andere Pläne hat sie für ihre Zeit als Stadtschreiberin schon: Sie möchte hier ihren Lyrikband „Maislieder“ - einige Gedichte daraus sind im aktuellen Heft der „manuskripte“ zu finden - vollenden. Und sie arbeitet an einem Roman: „Mich interessiert, wie die immer härter werdende Sprache der Politik den Alltag zunehmend vergiftet“, sagt sie und nennt einen österreichischen Autor als großes Vorbild für das Projekt: „Ödön von Horvath hat einen sehr spannenden Umgang mit der Sprache der Propaganda seiner Zeit. Die möchte ich hier in Graz noch genauer studieren“, erklärt Tóth.

„Und ich will in Graz viele Kooperationen mit anderen Künstlern starten“, sagt sie. Am 17. September stellt sie sich Kollegen und dem Publikum bei einer ersten Performance im Grazer Literaturhaus vor, Beginn 19 Uhr.

Christoph Hartner
Christoph Hartner

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