So, 20. Jänner 2019

Marcel Sabitzer:

09.09.2018 09:25

„Österreich ist mir nicht unbedingt gut gesinnt“

Nach einer langen Leidenszeit ist Marcel Sabitzer wieder im Nationalteam angekommen. Der Fußballer des Jahres 2017 hatte alle fünf Länderspiele im Frühling wegen Verletzungen versäumt, fühlt sich mittlerweile aber wieder fit und einsatzbereit für das Nations-League-Match am Dienstag in Bosnien-Herzegowina - auch wenn er sich bewusst ist, „dass mir ganz Österreich nicht unbedingt gut gesinnt ist“.

Beim 2:0-Testspielsieg am Donnerstag gegen Schweden wurde Sabitzer in der 65. Minute eingewechselt. „Es tut gut, wieder beim Team zu sein und ein paar Einsatzminuten bekommen zu haben“, erklärte der zuletzt von einer Schulter- und Sprunggelenks-Verletzung geplagte Steirer, der vor eineinhalb Monaten wieder voll ins Mannschaftstraining eingestiegen ist. „Die Schulter hält, ich fühle mich gut und bin zuversichtlich, dass ich bald wieder der Alte bin.“

„Nicht drumrumreden“
Beim ersten Länderspiel unter Teamchef Franco Foda, dem 2:1 über Uruguay im vergangenen November, stand Sabitzer in der Startformation und erzielte ein Tor. Für die darauffolgenden fünf ÖFB-Matches musste er hingegen absagen - so wie schon für einige Partien davor, was ihm teilweise Kritik einbrachte. „Wir brauchen nicht drumrumreden dass mir die ganzen Österreicher nicht unbedingt gut gesinnt sind, das ist einfach so. Ich muss irgendwie probieren, das auf meine Seite zu bringen, im Spiel Leistung zu bringen. Ich probiere immer, für Österreich alles zu geben, das ist das Einzige, was mir übrig bleibt.“

Unbewusste Blockade
Die seiner Meinung nach fehlende öffentliche Wertschätzung könnte laut Sabitzer auch dazu beigetragen haben, dass ihm der große Durchbruch in der ÖFB-Auswahl trotz 30 Länderspielen und 5 Toren noch nicht gelungen ist. „Wenn man immer weiß, dass man kritisch gesehen wird, ist das irgendwo im Hinterkopf. Vielleicht ist dadurch unbewusst eine Blockade drin“, vermutete der 24-Jährige.

Zumindest auf Vereinsebene gibt es für Sabitzer offensichtlich keine Blockaden, schließlich avancierte er in Leipzig vor seiner Verletzungsmisere zum absoluten Leistungsträger. Mit dem Red-Bull-Club wurde er im Vorjahr Vizemeister und schaffte in der vergangenen Saison die Qualifikation für die Europa League. Die neue Spielzeit sieht Sabitzer als große Herausforderung. „Wir hatten viele Abgänge und wenige Zugänge und sollen auf drei Hochzeiten tanzen. Wir wissen, dass es kein einfaches Jahr wird.“

Vorfreude auf Salzburg
Ein erstes Highlight mit Leipzig steht am 20. September an, wenn es in der Europa League vor eigenem Publikum gegen Ex-Club Red Bull Salzburg geht. Die Aufregung um das Duell der verbandelten Vereine ist an Sabitzer bisher spurlos vorübergegangen. „Ich habe mir dazu noch nicht wirklich eine Meinung gebildet. Ich bin einfach froh, eine gute Gruppe ohne weite Reise nach Osteuropa erwischt zu haben. Im Endeffekt sind es 90 Minuten Fußball, ein Ball und zwei Tore“, sagte der Deutschland-Legionär, der nach eigenen Angaben keinen Kontakt mehr zu seinem früheren Arbeitgeber hat.

Sabitzer lernte bereits in seiner Salzburg-Zeit Ralf Rangnick kennen, der nun als Leipzig-Trainer fungiert. Dessen Vorgänger Ralph Hasenhüttl sei in punkto Coaching „energischer“ gewesen. „Rangnick ist ruhiger und versucht immer, etwas zu finden, das uns weiterbringt.“ Ab kommender Saison übernimmt in Leipzig Julian Nagelsmann. „Ich glaube schon, dass er für uns gewinnbringend ist“, sagte Sabitzer.

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